DAS BEWUSSTWANDERN-PROJEKT:    rational    emotional    ganzheitlich   

S. 77 - 78 Überdenke unsere Evolution & Tradition!

Überdenke unsere Evolution und Tradition!

Wir Menschen sind wie alle höheren, vielzelligen Organismen kooperative (Zell)Gesamtheiten, die mit ihrer Umgebung eng verbunden sind. Sie bestehen aus Billionen von Wirkeinheiten bzw. Einzelzellen, im Detail mit einer unvorstellbaren Strukturvielfalt. Menschenähnliche Wirkeinheiten wandeln schon länger als 4 Millionen Jahre über unsere Erde. Unsere Wurzeln liegen ungefähr in der Zeit, in der die Gattung Australopithecus (südlicher Menschenaffe) lebte. Vertreter dieser Gattung besaßen ein Viertel unserer Gehirnmasse. Diese Gehirnmasse war auch noch nicht so kräftig gefurcht. Die Australopithecinen maßen ca. 100 cm an Körperlänge. Sie streiften durch Waldland und Savanne des östlichen Zentralafrikas...

Unsere stammesgeschichtliche Entwicklung lässt sich an Schädel und Skelettfunden recht gut nachvollziehen. Bemerkenswert und einmalig ist die rasante Entwicklung unserer Art. In wenigen Millionen Jahren hat sich zum Beispiel unser Schädelvolumen vervielfacht, wir konnten dauerhaft aufrecht gehen, wir alle haben unseren überaus nützlichen Pelz verloren und auch einige nützliche Geschlechtsmerkmale fehlen den Weibchen unserer Art während der fruchtbaren Tage und unser Selbstbewusstsein hat sich geradezu überschlagen...

Es gibt viele Theorien über unsere Entwicklung und alle sind folgerichtig-rational denkbar und können zum Teil richtig erscheinen. Es gibt Theorien die mit dem Leben in neuen Umgebungssystemen in Verbindung stehen und es gibt sogar Theorien, die die Ursachen unserer schnellen Entwicklung im Kannibalismus des Menschen sehen. Wissenschaftler werden mit den Erkenntnissen der Neurobiologie, der Histologie, der Genetik und Epigenetik, der Ökologie, der Quantenphysik usw. im Zuge einer neuen ganzheitlicheren Wissenschaft erneut Rückblick auf unsere Theorien und unsere Entwicklung werfen.

Auf jeden Fall gibt es Ausgrabungen, welche die leicht s-förmige Krümmung der Wirbelsäule über dem Becken zeigen. Auch für dich ein wesentliches Körpermerkmal und Voraussetzung für einen dauerhaft aufrechten Gang ohne größere Rückenprobleme. Dieses Merkmal, aber auch die Stellung und Form des Beckens und Merkmale der Oberschenkelknochen lassen Wissenschaftler darauf schließen, dass unsere Vorfahren ebenfalls längere Zeit aufrecht gehen konnten.

Biped durch die Welt zu laufen, lies die Möglichkeit zu, nach Gegenständen zu greifen und sie genauer an die Sinnesorgane zu halten, sie zurechtzubiegen, sie zu handhaben, sie zu manipulieren, sie zu beherrschen oder zu liebkosen. Und so wie mancher Affe heute Kisten stapeln kann, um an eine Banane zu kommen, so gab es damals Gegenstände, die in bestimmten Situationen benutzt Unannehmlichkeiten oder gar den Tot vermeiden konnten. Die Fähigkeit Beziehungen zwischen Teilen der Umgebung herauszufinden und zu erkennen und sie für sich nach eigenen Vorstellungen zu verändern bzw. die Fähigkeit, sich mit Wirkeinheiten der Umgebung wirkungsvoll verbinden zu können, um neue Eigenschaften und Fähigkeiten zu bekommen, war und ist ein entscheidender Aspekt wenn man Organismen und ihr Verhalten miteinander vergleicht. Ein besonderes Verhaltensmerkmal ist das bewusste Handeln, ist die Fähigkeit der bewussten Rückkopplung und selbstbewussten Aussöhnung von Umweltveränderungen bzw. der Veränderungen der eigenen Körpereinheit.

Vor 500 000 Jahren war das Nervensystem in den menschenähnlichsten Organismen so mutig, aufmerksam und funktionsfähig geworden, dass es nun zusammen mit der restlichen Körpereinheit das Feuer sinnvoll zu nutzen verstand und andere Nervensystemträger der gleichen Art sogar begraben konnte, wenn sie zu Tode kamen. Nervensysteme vor etwa 200 000 Jahren hatten etwa das gleiche Volumen erreicht wie die menschlichen Nervensysteme heute.

Deine Vorfahren von damals haben die Wissenschaftler von heute, unter der Gattung Homo (Mensch) zusammengefasst. Diese Urmenschen waren schon vor 2 Millionen Jahren vermutlich aus Vertretern der Gattung Australopithecus hervorgegangen. Diese Gattung Australopithecus ist dann ca. vor 1 Million Jahren ausgestorben.

Vertreter der Gattung Homo haben seit ca. 50 000 Jahren soviel Ähnlichkeit mit heutigen Menschen, dass die Naturwissenschaftler sie in die gleiche systematische Grundeinheit gesteckt haben. Seit dieser Zeit gab es also Menschen (Homo sapiens sapiens), die prinzipiell so aussahen wie du dich im Spiegel sehen würdest, nach sagen wir 5 bis 20 Jahren Survivaltraining in einer existentiell verbundenen Gemeinschaft von ca. 5 bis 50 Personen in Nordostafrika.

Dann vergingen noch mal 40 000 Jahre bis die Menschen sesshaft wurden. Aber erst seit ca. 100 Jahren sitzt ein Teil der Menschheit tatsächlich längere Zeit des Tages in Beruf und Freizeit. Bis vor kurzem trug der Mensch sein Nervensystem also noch »laufend« mit sich herum. Jeder Schluck Wasser, jedes Kräutlein, jedes Fleckchen Kleidung, jede Unterkunft, jedes Stück Feuerholz, jedes fette Stück Fleisch, jeder Besuch bei Freunden usw. musste in den über 99 % der Entwicklungszeit unserer menschlichen, aufrechtgehenden Körpereinheit tatsächlich erlaufen werden. Dass du von Kopf bis Fuß ein Wandervogel bist, kannst du dir nun vielleicht vorstellen. Auch dein Nervensystem ist durch seine Umgebung (Vielfalt und Veränderung), die zweibeinige (Hände frei) und rumherstreifende Lebensweise (viele Umweltinformationen) zu dem geworden was es heute ist.

Es ist für die Ausbildung deiner ganzheitlich-freien Denkfähigkeit günstig, wenn du dein Nervensystem und deine Körpereinheit ein wenig besser verstehen kannst.

Deine Körpereinheit ist ein Wanderer geblieben!

Deine Wandertradition ist mehrere Millionen Jahre alt und hat sich in deinem Körperbau, in deinem Stoffwechsel, in der Art und Weise wie deine Körperzellen miteinander kooperieren, in deinem Verhalten usw. manifestiert. Wenn du aufmerksam und lang genug beobachtest, wirst du feststellen, dass dieses Wanderwesen, welches in jedem Menschen steckt, auch immer noch bewusst oder unbewusst ausgelebt sein will. Immer weiterwandern zu wollen ist sogar ein Grund, warum einige als Wanderer so sesshaft sind! Wandern bedeutet dabei: Es geht weiter! Stillstand langweilt mit der Zeit! Und so hat unser Nervensystem gelernt auch in anderen Erlebniswelten zu wandern.

Besonders Kinder und Jugendliche sind kaum zu bremsen. Sie wandern zwar heute weniger zum Vergnügen oder mit der Schulklasse von A nach B, aber dafür durch die CD-Sammlung des Freundes oder durch die Einkaufsstrassen der Stadt oder mit dem Auto über die Strassen. Wir wandern durch Themen oder Stoffgebiete in Büchern oder der Tageszeitung, wir wandern durch Computerspiele oder im Internet oder im TV von Programm zu Programm.

Denk mal nach, wo du heutzutage überall wandern kannst oder musst. Du kannst sogar die Augen schließen und in deiner Erinnerung und Fantasie herumwandern oder mit Hilfe deiner Liebesbriefsammlung aus der Kinder- und Schulzeit eine Gefühlswanderung in deiner Erinnerung unternehmen. Die Schmusewanderung auf dem süßen Bauch deiner Freundin ist ebenfalls der Wandermühe wert. Du kannst dir alle Genussdrogen zusammensuchen die du finden kannst und dir jeden Tag eine andere verabreichen und so eine »Drogenwanderung« unternehmen. In der Jugend wird man von einem Partner zum anderen wandern. Du kannst Lebensabschnitte durchwandern oder die Speisekarte durchgehen und eine Geschmackswanderung erleben. Du kannst von Erkenntnis zu Erkenntnis wandern. Du kannst Wanderungen durch die Geschichte und das Wissen der Menschheit unternehmen oder du kannst ganz bewusst von einer Alltagserfahrung zur anderen wandern. Oder du wanderst auf deinem Höllenstuhl durch die Weiten Nordamerikas oder du wanderst einfach mit deinem Fortpflanzungspartner und euren Kindern durch die Wildnis des 21. Jahrhunderts auf der Suche nach den Dingen des täglichen Bedarfs oder rüber zum Waldrand zum Pilze suchen und wieder zurück.

Lernst du deine Wandertradition bzw. dein Wanderwesen kennen und akzeptierst die über viele Tausend Generationen eingeschliffenen Gewohnheiten deiner Körpereinheit im Alltag, kann dein ganzes Leben eine interessante Erlebniswanderung, ein Spaziergang werden, den du mit Hilfe deines Nervensystems ganz bewusst genießen und erleben darfst.

Das folgerichtig-rationale Denken, das emotional-assoziative Denken und das ganzheitlich-freie Denken können dir bei dieser Wanderung nützliche Hilfsmittel werden. Leicht, multifunktionell und immer dabei kannst du mit diesen Hilfsmitteln sogar den Schlüssel zur Zufriedenheit in all der unaufhörlichen Bewegung und Vielfalt deines Alltags finden. Vielleicht wirst du ja als Jetztmensch bereits bei der literarischen Wanderung durch dieses Buch fündig.