DAS BEWUSSTWANDERN-PROJEKT:    rational    emotional    ganzheitlich   

S. 90 - 92 Gemeinsamkeiten, Vertiefende Ausführungen

Vertiefende Ausführungen

König: Wirkeinheiten in deiner Umwelt können etwas Handfestes sein. Tisch, Blume, Gartenschlauch, Menschen, Gehirne, Planeten, Ameise, Ameisenbär, CD und Mikrochip, Tagescreme, Gedichtband usw. und wie du dir vielleicht jetzt denken kannst, bestehen sie selbst aus unvorstellbar vielen kleineren Wirkeinheiten, die miteinander verbunden sind.

Bau doch mal ein Radio auseinander und wenn du mit Werkzeug und Lupe nicht mehr weiterkommst...

Prinz: ... dann zerlege ich die kleinen Wirkeinheiten des Radios in meiner Vorstellung bis hinunter zu den Atomen und Elementarteilchen. Milliarden von Verbindungen gilt es da zu lösen. Oder ich baue alles wieder zusammen. So kann ich mir auch eine neuronale Wirkeinheit in meinem Nervensystem vorstellen. Hier heißen die »Elementarteilchen« eben Nervenzellen und diese kann ich zu immer größeren Wirkeinheiten verbinden. Jede Verbindung schafft eine neue neuronale Wirkeinheit mit neuen Eigenschaften. So gibt es dann auch eine Wirkeinheit, welche die Eigenschaft besitzt Bewusstsein zu haben – ganz konkret die Eigenschaft besitzt, zu mir selbst sprechen zu können, eigene Systemaktivitäten sinnvoll rückkoppeln und aussöhnen zu können.

König: Hat dein Gehirn die Fähigkeit »bewusst Sein zu können«, dann kann sich die neuronale Wirkeinheit nun sogar bewusst mit einer für seine Entwicklung förderlichen Umwelt verbinden und so den eigenen Bewusstwerdungsprozess aufrechterhalten und beschleunigen. Und sogar bewusst (aktiv) die eigene Entwicklung fördern, so dass es sich selbst zu neuen Fähigkeiten verhelfen kann!

 

Für die Entstehung und Entwicklung unsere menschlichen, bewussten Wirk- bzw. Körpereinheit müssen viele Milliarden Nervenzellen zu komplexeren neuronalen Wirkeinheiten verbunden werden. Diese wiederum können zu größeren neuronalen Assoziationsfeldern bzw. neuronalen Wirkeinheiten verbunden werden, diese größeren neuronalen Wirkeinheiten zu noch größeren... Dieses neuronale Wirkeinheitensystem muss bei dieser Entwicklung wirkungsvoll mit den Körperorganen und einem vielfältig und veränderlichen Umgebungssystem verbunden sein. Auch in deiner Körpereinheit und deinem Nervensystem gilt das Verbindungs- und Entstehungsprinzip. Zellen oder Wirkeinheiten miteinander verbunden ergeben etwas Neues.

Das Neue in deinem Nervensystem: Du kannst nun Papa sagen, das kleine Ein-mal-eins vorrechnen, du kannst nun endlich Fahrradfahren, du kannst Zeichen und Worte verstehen, du kannst nun endlich Liebe fühlen, du kannst nun planen, du kannst die kleine Trinkflasche sehen und das Papa-Ruf-Geräusch der kleinen Tochter wahrnehmen, rückkoppeln und liebevoll aussöhnen, eben bewusst und sinnvoll zur Tat schreiten.

Wenn die Membranen deiner Körperzellen Umweltveränderungen erkennen bzw. als Zellverband wirkungsvoll mit deiner Umwelt verbunden sind, dann können diese Verbindungsänderungen bzw. Wirkungsveränderungen unter bestimmten Voraussetzungen mehr oder weniger direkt auch auf deine Nervensystemwirkeinheiten wirken. Dann können auch neuronale Wirkeinheiten besonders aktiviert werden und sich sinnvoll bzw. wirkungsvoll dauerhaft miteinander verbinden.

Die neuronalen Wirkeinheiten können dabei recht flexibel wirkungsvolle Direktverbindungen (synaptische Verbindungen) zueinander auf- und abbauen und außerdem kann die Verbindungsstärke zwischen den neuronalen Wirkeinheiten über Synapsen und ihre chemischen Botenstoffe (Neurotransmitter) variiert werden, um die Wirkzusammenhänge und Wirkungsfelder der Umgebung zu »kopieren«. Dabei organisiert und entwickelt sich das Nervensystem nicht nur von selbst und mit den unmittelbaren Einwirkungen der Umgebung, sondern auch innerhalb der Ontogenese des ganzen Körpers und seiner Umwelt in der im Laufe der Evolution entstandenen Bahn.

Glaubst du den Erkenntnissen der Naturwissenschaften, dann hatte das Nervensystem eine entscheidende Fähigkeit spätestens vor etwa 200 000 Jahren erreicht. Die menschliche Körpereinheit hatte die Fähigkeit erworben, die Unausweichlichkeit ihres eigenen Todes und Zerfalls zu erkennen und darauf zu reagieren und zwar lange bevor das individuelle Leben tatsächlich endet.

Aber egal wann und wie genau das Todesbewusstsein entstanden ist, es lässt sich grundsätzlich und folgerichtig-rational mit dem Verbindungs- und Entstehungsprinzip verstehen, es ist entstanden und existent und es hat auch heute noch enorme Auswirkungen auf das Leben.

Es bestatten viele menschliche Wirkeinheiten seit mindestens 200000 Jahren einander. Dies beweisen Ausgrabungen von Gräbern mit ihren Grabbeigaben (Blumen, Nahrung) aus dieser Zeit. Wenn du schon mal einen Menschen beerdigt hast, weißt du, dass es eine Tat ist, die das Bewusstsein vom Tod benötigt. Spätestens während du für deinen Freund oder Vater ein Grab schaufelst, wirst du dir deines zukünftigen Schicksals bewusst. In diesem Bewusstsein liegt sicherlich der Grund von vielen menschlichen Problemen, die bis heute noch nicht abschließend geklärt sind. Denn dem Begräbnis des geliebten Mitmenschen folgt auch unweigerlich die Frage nach dem eigenen »danach«. Nun kann sich ein menschliches, folgerichtig-rationale denkendes Gehirn schlecht etwas Alleinstehendes vorstellen, denn dieses Denken ist immer polarisierend. Und so entstand die gedankliche Vorstellung von »nach dem Leben« wie von allein und zwingend mit der Fähigkeit des folgerichtig-rationalen, also polarisierenden Denkens im Laufe der menschlichen Evolution.

Das hast du als Kind auch schon hinter dir und vielleicht bist du immer noch nicht schlauer. Bei der Beantwortung dieser Frage scheiden sich die Geister (die Gehirne) und ihre Weltanschauungen, gedanklichen Aussöhnungsversuche, Vorstellungen und Meinungen besonders deutlich, denn wer hat schon handfeste Beweise oder besser gesagt, Erlebnisse auf seiner Seite. Zumindest eine Tatsache bleibt anscheinend unumstößlich: Alle dahingehenden Wirkeinheiten lösen innere Verbindungen und zerfallen zu kleineren Wirkeinheiten mit neuen Eigenschaften. Die kleineren Wirkeinheiten werden netterweise wieder automatisch mit anderen Wirkeinheiten verbunden (Erde, Luft, Wasser, Bakterien, Käfer, Blume, Fuchs, usw.). Du bleibst also ein Bestandteil deiner Umgebung und des großen Energie- und Lebensteiges.

Ein »beziehungsloses Nichts« ist für dein Nervensystem nicht folgerichtig-rational vorstellbar und für dich als Mensch auch nicht dauerhaft und bewusst erlebbar (irgendwas ist immer). Kein Problem, denn weder deine Einzelteile, noch die Begrifflichkeit des Todes stehen für sich allein. Außerdem, um dem Tod als folgerichtig-rationale Gegenüberstellung des Lebens seine existenzielle Bedrohlichkeit zu nehmen, besitzen wir ja zum Glück unsere emotional-assoziative und ganzheitlich-freie Funktionsebene des Nervensystems. Achtest du bewusst auf eine positive bzw. liebevolle Rückkopplung und Aussöhnung deiner rational-folgerichtigen Gedanken und emotional-assoziativen Gedanken während der Ausbildung in der Alltagswirklichkeit deiner Umgebung, wird sich in deinem Nervensystem über die Bewusstwanderungen und über die Jahre die folgerichtig-rational begründete Grundangst vorm Tode auflösen und einer großen Liebe zum Umgebungssystem weichen. Diese Liebe zum Umgebungssystem, eine emotional-assoziative und besten Falls ganzheitlich-freie Wahrnehmungs-, Denk- bzw. Lebensweise im Alltagsmoment, die Zeitfreiheit des Todes, das Verbindungsprinzip und das Entstehungsprinzip können sehr viel Hoffnung geben und können sogar die Grundlage einer wirklichkeits- und umgebungssystemnahen Hoffnung auf Auferstehung oder Wiedergeburt im „Teig der Vielfalt“ sein. Ein Beschäftigung mit biologischen Arten, dem Boden, der Atmosphäre, kurz der Landschaft ist dahingehend besonders ratsam, weil wir uns ja im Moment des Todes in diesen Sphären auflösen, bzw. dort hin-über-gehen.

Oder anders gesagt: Eine Ideologie oder Religion, die es in ihrer Alltagspraxis nicht schafft den einzelnen Menschen für eine lebensnahe, liebevolle, emotional-assoziative und ganzheitlich-freie Wahrnehmungs-, Denk- bzw. Lebensweise im Alltagsmoment zu öffnen, wird ihren Anhängern keine ehrliche und wirksame (Lebens)Hilfe bei der Lösung ihrer existenziellen, folgerichtig-rational begründeten Ängste vor dem Tod sein können. Je deutlicher uns im Leben das Zusammenspiel von unserer Körpereinheit und unserem Umgebungssystem wird, umso gelassener können wir in unsere gemeinsame, nahe und ferne Zukunft blicken. Letztlich darf sich jeder einzelne Mensch selbstständig und eigenverantwortlich über die bewusste positive Rückkopplung und Aussöhnung (siehe auch Buch 2&3) von diesen Ängsten im alltäglichen Umgang mit der Vielfalt befreien.

 

Prinz: Der Ansatz für ein neue Religion?!

König: Nein oder vielleicht – würde ich sagen, ohne natürlich genau für alle Menschen zu wissen, zu fühlen oder zu glauben! Eher ein Ansatz für eine kooperativ-sozial-ökologische Denkweise. Nach dem Körper und Gehirnzerfall ist noch keine Wirkeinheit beobachtet worden, die sich verbindungslos im Nichts verloren und sich nicht wieder neu mit der Umgebung verbunden hätte. Das gibt mir zumindest zu Lebzeiten eine überaus verbindliche Sicherheit und Hoffnung. Solange ich meine alten Bewusstseinsinhalte nicht im Lebensmoment überbewerte, sondern sie einfach als wichtige und grundsätzlich gleichberechtigte Lebenserfahrungen neben all den Erfahrungen und Eigenschaften einordne, welche Wirkeinheiten meines Umgebungssystems gemeinsam mit ihm haben und herausbilden können, solange habe ich die tröstliche Garantie: Es geht auch später noch irgendwie gemeinsam wirkungsvoll weiter, wie bewusst auch immer.

Prinz: Hm! Nicht schlecht, denn es geht ja sogar in unserem wundervollen, lebendigen und vielfältigen Umgebungssystem weiter. Das habe ich heut schon in seinen kleinen Details lieb und ich bin dann also nach meinem Tode ein Bestandteil dieser geliebten Vielfalt! Und außerdem, wer will schon ewig so bleiben wie er ist, in unserem lebendigen Umgebungssystem?!

Prinz und König gemeinsam: Da kann uns der Tod nun grundsätzlich nicht mehr schrecken, nicht mehr als die grausamen Hilferufe (gewalttätiger Menschen und kriegsführender Gesellschaften) nach einem individuell berührenden, wirklichkeitsnahen, erfüllenden, lebensmomentnahen Selbstverständnis im globalen Umgebungssystem (Erde) – höchstens weniger...

Prinz: Nun kann ich auch versuchen, eine Art Definition der »Wirklichkeit einer beliebigen Wirkeinheit« zu geben. Natürlich nur im Rahmen meiner individuellen, immer subjektiven und menschlichen Vorstellungswelt!