DAS BEWUSSTWANDERN-PROJEKT:    rational    emotional    ganzheitlich   

S. 79 Überdenke Schmerz, Vertrauen, Respekt

Überdenke Schmerz, Vertrauen & Respekt!

Es wird hier prinzipiell davon ausgegangen, dass niemand gerne krank ist, gern leidet, gerne und dauerhaft Schmerzen hat oder mit Genuss einen vorzeitigen, qualvollen Tod anstrebt. Hast du in der Tat und dauerhaft solche sonderbaren Ziele, wird dir dieses Buch weniger bringen können.

Ein Leben ohne Schmerz und Tod ist kaum denkbar. Jeder fällt mal auf die Nase oder verletzt sich irgendwann, irgendwo. Über »Autsch« wollen wir hier nicht sprechen. Doch es gibt auch Schmerzen und Krankheiten, die eine weitere Entwicklung verhindern und alles vorher gewesene, jede Vorstellungswelt und positive Erfahrung relativieren können. Es gibt Leid- und Schmerzerfahrungen, in welchen nur noch das einzige momentane Bedürfnis darin besteht, dass der Schmerz enden möge. Flexibles Denken und jegliche Lebensfreude werden dann fast unmöglich und Ausbildungswege uninteressant.

Genauso wie Freude sprachlos und still machen kann, kann dies auch der Schmerz und das Leid eines Menschen. Auch Schmerz kann verändern, ja sogar einen Menschen nachhaltig zufrieden, glücklich und dennoch lebendig machen, meist dann, wenn der unsägliche Schmerz oder das Leid von ihm genommen wurde oder er ihn überstanden hat oder wenn du dem »Tod von der Schippe gesprungen bist«. Es besteht dann wieder die Möglichkeit, dass du dich mit dem Leben glücklicher arrangierst bzw. synchronisierst.

Die kleine lebendige Wanderschule möchte auf einen gesunden, sicheren, einen freudvollen, lebenswerten, genussreichen und spannenden Ausbildungsweg führen, um zu einer ganzheitlich-freien Lebenseinstellung im Alltagmoment zu gelangen.

Dies ist nur möglich, wenn du die Grenzen des freudvollen menschlichen Lebens individuell und mit Respekt und Vorsicht kennen lernst, danach als solche dauerhaft akzeptierst und vorausschauend meidest. Um diese Grenzen im Alltag wahrzunehmen und sie zu respektieren, um innerhalb dieser Grenzen in größtmöglicher Freiheit zu leben, dazu bedarf es vor allem eines umfangreichen Erfahrungsschatzes und einer harmonisch ausgebildeten Körpereinheit.

Und es bedarf einer guten Portion Einsicht und Demut, zwei Wesenszüge, die mehr Eigenverantwortlichkeit, Selbständigkeit, Freiheit, Mut und Weitsicht beweisen und entstehen lassen, als allgemein angenommen. Mehr soll an dieser Stelle über Leid und Schmerz nicht gesagt werden, denn Leid und Schmerz sind wortkarge, mächtige und grimmige Lehrmeister. Außerdem führen sie ihre Lehrstunden nicht immer zum Erfolg für den Lehrling.

Natürlich wächst über die Schmerzerfahrung der Respekt vor einer gefährlichen bzw. unbekannten Situation, einem Gegenstand oder einem Wesen. Sofern dann dein Verhalten nicht panisch wird, kann dieser Respekt eine besonders sensible, aufmerksame und bald angepasste Annäherung begründen. Mit der Zeit kannst du so zu einem vertrauteren, friedlichen, genüsslichen Umgang mit der Situation, dem Gegenstand oder der Wesenheit finden. Wenn dir also Vertrauen fehlt, solltest du dieses Vertrauen zuerst bewusst durch Respekt ersetzen und zwar solange, bis dieser Respekt in Vertrauen übergegangen ist. Im Umgang mit anderen Menschen solltest du besonders auf diesen Prozess achten. Wenn du stärker liebst und vertraust, solltest du bewusster darauf achten, dass dein Vertrauen und deine Liebe auch zurückkommen. Wenn nicht, dann solltest du im Sinne einer gleichberechtigten Kooperation und Annäherung bewusst für genügend Respekt auch bei deinem Gegenüber sorgen, bis auch dein Gegenüber diesen Respekt mit Vertrauen ersetzt hat. Es kann sonst passieren, dass dein Vertrauen und deine Liebe als »Schwäche« bewusst oder unbewusst ausgenutzt werden bzw. missverständlich oder sogar albern erscheint. Deine Liebe, dein Vertrauen, deine Fröhlichkeit kann bei Menschen auch Neid und Eifersucht und sogar Aggressionen auslösen. Dies gilt vor allem im Umgang mit Jugendlichen und Menschen mit überwiegend halbbewusster und unbewusster Lebensweise. Oft noch ist dieser Umweg über den Respekt zwischenmenschlich nötig.