DAS BEWUSSTWANDERN-PROJEKT:    rational    emotional    ganzheitlich   

S. 332 - 335 Interview mit einem Leitbild

Interview mit einem Leitbild

Autor: Du bist als Wanderer entwicklungstechnisch gesehen steinalt, deine Wurzeln reichen bis weit in die Vergangenheit zurück. Indem du dich auf deinen Wanderungen deiner Umgebung angepasst hast, bist du erstaunlich jung und vor allem flexibel geblieben. Du hast dich ständig mit und durch die Auseinandersetzung mit den Wirkungen deiner Umgebung ausbilden können. Diese Eigenschaften und die Sicherheit des erfahrenen und bewanderten Wanderers lässt dich den Moment genießen, wo immer dich die Wanderschaft auch hinführt. Du lebst weitestgehend ohne Sorge oder Kummer, denn du hast dich so einfach wie möglich für das Leben und seine positiven Aspekte entschieden. Du lebst den Moment so, dass du in ihm alles findet, was du für den nächsten Schritt, für den nächsten glücklichen Lebensmoment benötigst. Du hast deine wesentlichen geistigen Fähigkeiten im Laufe deiner Wanderungen erkannt und die bewusste Rückkopplung und Aussöhnung zu einer Kunst entwickelt. So ist dir die Aussöhntat immer mehr zu Genuss und Spiel geworden. Du siehst den Freund der Vielfalt, wo du auch gehst und stehst: Freunde machen Freude – sei es nur ein kuscheliges Ruhelager für die Nacht, Menschen, Nahrung, Geld, Ausrüstung, Informationen, Landschaften, Vorstellungswelten, Kinder...

Du durchwanderst die Vielfalt, um deine Körpereinheit mit Nahrung zu versorgen. Die Umgebung durchfließt dich ebenso wie du dich durch sie hindurchbewegst. Das heißt, du ziehst nicht nur durch üppige Wälder, weite Steppen, Gebirge und wilde Flusslandschaften, nein du hast auch gelernt, in anderen Gebieten deiner wirksamen Umgebung zu wandern. Je nach dem, was der Moment so für Möglichkeiten bereithält, wählst du bewusst eine der verschiedenen Arten des Wanderns aus.

Und du hast auch gelernt, in den Gedanken anderer Menschen zu wandern, wenn sie sich in einem Gespräch vor dir ausbreiten. In solchen hochwirksamen Gedankenlandschaften oder Vorstellungswelten findest du Schätze, die dir helfen, gemütlicher durch deine eigene wirkungsvolle Vorstellungswelt zu wandern und neue Wandergebiete zu erkunden, dir helfen, lebensfeindliche oder unangenehme Situationen schon von Weitem zu erkennen und zu vermeiden, um dich intensiv, friedlich und gemütlich dem Moment des Lebens zu widmen. Du hast sehr vielen Menschen zugehört und hast so einige Gemeinsamkeiten entdeckt und somit dich selbst besser verstanden.

Dein Umgebungssystem und dein Innerland, deine Vorstellungswelt sind dir vertrautes Heim und du erfreust dich, an der immer neuen Vielfalt deiner Wohnungen und der Einfachheit, mit ihnen und in ihnen zu leben. Du findest im Wandern die Regeln des Wanderns, denn sie sind die einzigen Gesetze, die grundlegende Gültigkeit besitzen, in welcher Ecke der Vielfalt du dich auch befindest. Sie halten dich auf deinem Weg, von Verbindung zu Verbindung, von Verschmelzung zu Verschmelzung und darüber hinaus durch den bewussten MW-Einsatz.

Autor weiter: Aber am besten, wir fragen unser Leitbild mal selbst, was es uns aus seiner Sicht zu sagen hat: Wie siehst du dich selbst? Was gilt es Wichtiges zu deinem Bewusstwanderleben zu sagen?

 

Wanderer: Danke, dass ich als Leitbildfigur auch mal selbst sprechen darf. Ich muss sagen, es stimmt nicht alles ganz genau, was von mir und über mich gerade erzählt wurde!

Aus eurer Sicht und für den Zweck der Ausbildung ist die Einschätzung recht brauchbar. Gut gedacht! Doch es ist wohl nicht mehr als ein Teil meines Lebens. Es ist eure RW-Sicht auf mich. (Viele bedeutsame oder genüssliche Gemeinschaftsaspekte meines Lebens, wollen und können wir in diesem Buch sowieso nicht erwähnen.)

Ich kann euch aber aus der Sicht meiner Person noch ein weiteren Teil dazu geben, denn ich sehe meine Person und mein Umgebungssystem und mein Nervensystem ja aus einer anderen Perspektive: Aus meiner Sicht – wandere ich gar nicht! Die Wirklichkeit wandert an mir vorüber und durch mich hindurch oder noch treffender: Ich (ver)wandle (mich) mit der Vielfalt. Ihr habt mir den Namen »Wanderer« gegeben. Ich sehe mich eher als sehr sesshafte Person. Ich bestimme dabei mit meiner Körpereinheit und mit meinem Nervensystem, welches Gebiet der Wirklichkeit an mir vorüberzieht und auch wie schnell! Meine besten Helfer sind meine rational-folgerichtigen und emotional-assoziativen Gedanken und natürlich meine MW-Umschaltarbeit.

Vielleicht ist es nur eine andere Denkweise, eine andere innere Einstellung, aber mit enormer Bedeutung für mein Wohlbefinden und für meine Lebensqualität, für meine innere Zufriedenheit und Ruhe während meiner Ausbildung und während meines Lebens.

Ihr habt richtig beobachtet, dass ich nur wenige Dinge mit mir herumtrage – einfach lebe! Nicht, weil ich arm bin, nein, es ist so einfach praktischer und macht außerdem eine Menge Spaß, denn ich spiele dabei so meine Spiele zusammen mit meiner Umgebung (das Spiel »Geduld« zum Beispiel oder das Spiel »Fasten« oder das Spiel »Stille« oder das Spiel »Fallen-lassen«). So sind wir unermesslich reich und vielfältig, allein durch die geliebte Umgebung, durch die geliebten bewussten Gedanken und Stimmungen, die geliebte Vielfalt und Veränderung. Alleinsein gibt es für mich nicht mehr in diesem Sinne!

Seht ihr mich als Leitbild ohne mein Umgebungssystem, fehlt euch aus meiner Sicht meine »bessere Hälfte«. Das Bild wäre so nur unvollständig und sehr missverständlich, vor allem bei einer RW-Betrachtung! Solch ein Leben pflegt immer auch Vertrauen, geduldige Liebe und die Tat.

Natürlich hilft euch dabei eure kleine und große MW-Arbeit und besonders das ständige Rückkoppeln und tatsächliche Aussöhnen. Aussöhnen ist eine ehrliche Arbeit, die genossen sein will. Das ganze erlernen eure Nervensysteme erst während eurer Wanderungen, da habt ihr Recht. Aber es ist keine Hexerei – seit kurzem sind wir uns auch darüber bewusst – was Menschen lebenslang mit viel folgerichtig-rationaler Nerverei, emotionaler Spannung, unvorstellbarem Glauben und unter lebensbedrohlicher Gefahr und Verfolgung suchen mussten, dass findet ihr heute im Buchladen für 10-30 Euro sicher und leichtverdaulich, RW-mäßig verpackt. Doch so wie früher, liegt auch heute das Glück eines Wanderers noch immer auf der Strasse und dem Weg.

 

Autor: Aha! Wie fühlst du dich so als Leitbild?

 

Wanderer: Nun, wenn ich mich nicht gerade an meine eigene Ausbildungszeit RW-mäßig erinnere, um mich in euch hineinzuversetzen, um verständlich für euch zu sein, ist das Leben unbeschreiblich und was noch nicht in Ordnung ist können wir ja gemeinsam aussöhnen.

Wie es sich später bei euch anfühlt, kann niemand wissen. Ich fühle mich gerade prima als euer Leitbild, denn ich bin ein wenig stolz darauf (k)eins zu sein, denn es gibt (k)eine konkrete Lehre des Bewusstwanderns. Die Erlernung der Kunstfertigkeiten und Regeln des Bewusstwanderns, die Ausbildung eines Nervensystems, einer Körpereinheit bleibt zum Glück immer bewusst dem einzelnen Nervensystem überlassen und ist immer ein großes persönliches Abenteuer.

Das Leben ist nicht RW-mäßig vollständig berechenbar, emotional-assoziative Gedanken und ganzheitlich-freies Denken entziehen sich weitgehend dem Wort – die Ausbildung benötigt nicht nur eine Woche oder einen Monat – nun das reicht schon vorläufig – die Ausbildung wird sicherlich sehr individuell bleiben und immer individuelle Wege gehen.

Wenn ihr beruflich mit vielen Menschen zusammenarbeiten müsst oder das langjährige Hobby »Mitdenken und Mitempfinden« habt, dann seid ihr auch sicher schon eine gute Strecke der Ausbildung gegangen und es ist nicht mehr weit zum lebendigen Wanderfrieden und der ganzheitlich-freien Lebensweise.

Ich habe erkannt, dass meine Gedanken all das Leben nicht denken können. Und ich fühle, dass meine emotional-assoziativen Gedanken all das Leben und die Vielfalt nicht empfinden können. Ich habe auch nach ganzheitlicher Befriedigung gesucht und nie gefunden. Ja – aber dann – in all der Lebendigkeit des Umgebungsmomentes und der freien Verspieltheit meiner tatsächlichen und bewussten Rückkoppelungs- und Aussöhnungsaktionen, öffnete sich ein breiter, klar strahlender Erlebnishimmel und das duftende Meer der Vielfalt glättete sich ganzheitlich-frei, genüsslich, lebendig still, äußerlich wohl kaum bemerkt.

Ihr lernt sicher die Grenzen eurer RW-Arbeit und EW-Arbeit im Alltag zu akzeptieren, und ihr nutzt bald vernünftiger diese beiden Welten des bewussten Denkens.

Es beginnt euch dann sicher bald zu dämmern, was das ganzheitlich-freie Denken ist, was es bedeutet, wie es zu erreichen ist, sich erlebt, wie verschieden es »gefühlt« werden kann, wie verschieden und millionenfach es gedacht und erlebt werden kann und doch hat es diese gleiche, innerliche, lebendige Stille, dieses frohe Genügen, diese lebendige Zufriedenheit – die kein Gedanke und kein Wort jemals fassen könnte. Dieses Einssein durchdringt jede Härte, jede Grenze des eigenen Gedankens und des eignen Gefühls früher oder später mit all der Bewusstheit, Lebendigkeit und Geduld, die ein bewusster und liebevoller MW-Einsatz mit sich bringen.

Ich spiegle mich während des Wandelns in möglichst vielen Dingen um mich her, in den Mitmenschen, Wirkeinheiten, Geräuschen, Gesprächen, Pflanzen, Tieren, Steinen, Wolken... in tausend anderen kleinen und großen gleichberechtigten Dingen des Augenblicks und der Vielfalt.

Alle erzeugen mir rational-folgerichtige und emotional-assoziative Gedanken, geben mir dadurch Gelegenheit zur tatsächlichen Rückkopplung und Aussöhnung. – Geben mir Gelegenheit, mich durch die Landschaft zu denken, zu l(i)eben, zu fühlen, zu wandeln. – Geben mir so handfeste und wirkungsvolle Hinweise, ob meine kleinen und großen Entscheidungen, mein nächster Schritt, richtig oder verkehrt läuft, friedlich ist für UNS.

Verstehe ich diese »Sprache der Vielfalt und Veränderung«, kann ich so lebendig – wie ein Wasser fließt, so geschmeidig – wie eine Daune schwebt, so frisch – wie ein Tautropfen am Maienmorgen, so sinnvoll, liebevoll, ehrlich und bewusst – wie ein bewusst rückkoppelnder und aussöhnender Mitmensch spricht, arbeitet, musiziert und lebt… mit der Vielfalt sein.

Indem du bedenkst, was du gerade im Alltag tust und dabei empfindest, indem du rückkoppelst, ob du frei, genüsslich und lebendig bist, weißt du, wo du gerade stehst im Lebensmoment, im Leben, das du lebst, ob du lebst. Fühle! Was empfindest du?

Deine rational-folgerichtigen und emotional-assoziativen Gedanken – sind sie dir zwei sichere Beine beim Wandern durch die Vielfalt im Alltagsmoment? Beide sollten auf ihre Weise zu dir sagen: Hier passiert etwas tatsächlich positiv-lebendiges.

Vielleicht wandelst du als bewusste Knospe einer unüberschaubaren gewaltigen Lebenslandschaft – mit anderen Menschen und ihren Vorstellungen, mit Gesprächen, Geräuschen, mit Wäldern, Flüssen, Wolken... und bist bewusster Tropfen eines unüberschaubaren Lebensmeeres. Indem du rational-folgerichtig denkend rückkoppelst und aussöhnst wirst du Tropfen – indem du emotional-assoziativ rückkoppelst und aussöhnst wirst du Me(h)er werden – indem du ganzheitlich-frei denkend rückkoppelst und aussöhnst wirst du ... sein... dann kannst du dir viele rational-folgerichtigen und emotional-assoziative Antworten auf eine jede Frage und jedes Problem vorstellen. Einige Grenzen und Potentiale anderer menschlicher Vorstellungswelten kannst du nun erkennen. Du hast die Begrenztheit und Unbegrenztheit deiner ganzheitlich-freien Vorstellungswelt erlebt und kennst die Unbegrenztheit und Begrenztheit deiner Körpereinheit und weißt nun, wo und wie in all der Veränderung im Lebensmoment dauerhafter Frieden zu finden ist.

Egal wie du oder andere deine Ausbildung nennen – jeder Mensch wird in jedem Moment persönlich im Spiegel der Vielfalt auf sich selbst zurückgeworfen. Ob er nun bewusst hinguckt oder nicht, ob er sich nun erkennt oder nicht. Manchmal ist der Spiegel ein Sciencefictionfilm oder ein Kind, eine Krankheit oder ein Partner, Musik, eine Berufssituation, eine Extremsituation oder eine Urlaubsituation, ein Buch, ein Erlebnis. Vielleicht sind es immer öfter die vielen kleinen und großen Teile der Vielfalt im Moment, welche dir helfen, dich und dein momentanes Leben zu reflektieren.

Garantien für neue, noch vielleicht ungewöhnlich scheinende Dinge gibt es nur, wenn du sie als solche akzeptierst und versuchst, sie selbst kennen zulernen. Unsere menschlichen Nervensysteme haben sich an so ungewöhnliche Dinge wie Atombomben »gewöhnt«, wir können uns sicher auch an Zufriedenheit oder bewusst ganzheitlich-freies Leben gewöhnen.

Es warten immer wieder Veränderungen auf uns, Veränderungen bieten neue Möglichkeiten. Das Abenteuer Leben hat niemals aufgehört spannend zu sein und es verspricht, in nächster Zeit immer schneller spannender zu werden. Und wenn du nicht stehen geblieben bist, so wanderst du auch noch morgen...

Ich vertraue euch als euer Leitbild noch ein Geheimnis an, was ihr erst am Ende eurer Ausbildung wirklich ergründen werdet. Es gibt eine dritte Perspektive unter der Ihr mich als Leitbildfigur betrachten könnt. Es ist gleichzeitig die Perspektive »der frei verbundenen Wirkeinheiten« auf mich. Da frei verbundene Wirkeinheiten in ihrem gewaltigen Umfang überwiegend wirken, haben sie mich gebeten folgendes für euch niederzuschreiben.

 

Wanderer im Namen der Wirkeinheiten: Auch deine Vorstellungen von UNS sind wirkungsvolle Bestandteile von UNS.

Wenn es keinen praktischen, tatsächlichen Unterschied in deinem Lebensmoment mehr gibt oder ausmacht, ob WIR auf dich zugekommen sind, um dich sind, oder du UNS entgegenkommst... dann bist du und sind WIR am Ende deiner und unserer Ausbildungswanderung... dann kannst du uns ganzheitlich-frei denken und erleben und wirst auch der lebendigen Stille, der »feinen Schwingungen« gewahr, dann sind wir ganzheitlich-frei miteinander wirkungsvoll verbunden und vereint.

Dann leben WIR zufrieden – durch und in UNS. Denn dann sind WIR in der Tat bewusst vereint, dann ist unsere Wirkung auch deine Wirkung! Deine Kräfte sind dann auch unsere Kräfte! Dann söhne dich mit all deinen »vorübergehenden Leitbildern« aus.

 

Wanderer weiter: Ihr merkt schon, die freien Wirkeinheiten haben ihren eigenen trockenen Humor – vorübergehendes Leitbild – na Klasse! Nun am besten, ihr bewertet das Ganze und mich, als eure Leitbildfigur nicht über. Und eins sei noch im Namen der frei verbundenen Wirkeinheiten, im Namen der Vielfalt unseres Umgebungssystems gesprochen.

 

Wanderer im Namen der Wirkeinheiten: Erst wenn WIR UNS in alltäglichen Lebenssituationen verbinden, entfalten WIR UNSERE ganz natürliche und enorme kooperative Wirkung.

 

Wanderer: Bis dahin – hört nicht auf zu wandern, denn es geht immer weiter. Und denkt daran: Es ist ein Unterschied, den Weg zu gehen oder ihn sich nur vorzustellen!

Nun hast du alle drei Seiten von dir und mir mit deinem RW kennengelernt und es ist an dir, sie nun in der Ausbildungspraxis zusammen zu betrachten und zu erleben. Vielleicht finden wir uns wieder – frei – auf unseren gemeinsamen Wegen!

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Fühlst Unrast du und Sehnsucht tief,

bist unzufrieden du mit deinen sicheren Mauern,

fängst du noch nachts die Träume ein,

die dich am Tage dann belauern?

Sodann bist du ein Wanderer, so lang bis du’s für dich weißt,

egal – wie dein Beruf – am Tage sonst noch heißt!

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Autor:

Danke für deine Aufmerksamkeit!