DAS BEWUSSTWANDERN-PROJEKT:    rational    emotional    ganzheitlich   

S. 319 - 320 Mit Rückkoppel- und Aussöhngedanken im Alltag spielen

Mit Rückkoppel- und Aussöhngedanken im Alltag spielen

Beispiel: Momentgedanke »Brummfliege – Essenklauen«

RW-Frage: Brummfliege – Klauen! Klaue auch ich ab und zu Essen, so wie die Brummfliege vor meiner Nase?

RW-Antwort: Ja, Mist! Tatsache, ich habe ja gerade vor, Omas Keksdose unrechtmäßig, ohne zu fragen, zu entern (ändern). Na, ich tue es, auch wenn es »ein bisschen Klauen« ist. Oma weiß Bescheid, seit dem ich 5 bin und mir die ganze Keksdose beim »Klauen« runtergeprasselt ist. Als Oma mich gefragt hat, ob ich Kekse klauen wollte, habe ich nach unten geguckt und nur „hm“ gebrummt, wie eine Oberklaubrummfliege. Oma hat verschmitzt gelacht und gesagt: „Das nächste Mal bist du aber ein wenig geschickter und passt ein wenig besser auf die Leckerkekse auf – die backe ich ja nicht nur für die Katze – sondern für Uns!“

RW-Antwort: »Klauen« können wir mit »Vertrauen« in positive Verbindung bringen. Vertrauen ist bei dem einen stark, dem anderen schwach, je nachdem, wie stark sein Vertrauen zu sich und seiner Umgebung ist. Das Nehmen wird zum Klauen, wenn das Vertrauen, dass der Wert des Genommenen auf angemessene Weise vom Nehmer freiwillig zurückgezahlt wird, nicht mehr beim so Beklauten vorhanden ist. Oder anders: Das Nehmen wird zum Klauen, wenn das Vertrauen des Diebes zu sich selbst, dass er den Wert des Diebesgutes auf angemessene Weise dem Beklauten freiwillig zurückgeben kann, nicht mehr vorhanden ist.

Wie fest das Vertrauen eines Mitmenschen zu sich selbst und anderen ist, weiß ich nie genau. Das Nehmen bleibt also eine heikle Sache – solange das Vertrauen zu mir selbst und meine Aussöhnfähigkeit mangelhaft sind. Außer bei der Oma, weil sie »Eins« ist mit ihrem Enkel und ungebrochenes Urvertrauen hat. Nicht nur auf sich vertraut, sondern auch auf mich vertraut, auch wenn ich mir selber noch nicht recht vertraue und deshalb manchmal beim Nehmen – klaue.

Bei Oma wird das Klauen zum Vertrauensbeweis! Dieser Gedanke ist schon etwas vertrauter. Und vielleicht wird durch solche RW-Meditation das Klauen nächstes Mal zum Nichtklauen und kann dadurch zum Nachdenken über dauerhaftes Vertrauen anregen.

RW-Antwort: Ja. Klauen hat eine Bedeutung in meinem Leben. Ich kenne den Begriff des Klauens, habe Klauerlebnisse, bin schon beklaut worden. Klauen gibt es nur in Beziehungen, welche gegenseitiges Vertrauen, Geduld, Harmonie, Zufriedenheit, Ehrlichkeit, ganzheitlich-freie Gemeinschaft nicht kennen. Solang im Nehmen und Geben nicht das Vertrauen gesehen wird – gibt es Diebe und Beklaute, Nehmer und Geber. Wobei beide das gleiche Problem während der Tat bzw. davor oder danach haben – Mangel an Vertrauen oder Mangel an dem wirkungsvollen, zweifelsfreien emotional-assoziativen Gedanken des Vertrauens. Es bleibt dann immer ein Schuldgedanke zuviel oder zuwenig gegeben oder genommen zu haben.

Vertrauen ist kaum zu bemessen. Entweder es ist oder es ist zweifelhaftes Vertrauen. Wenn Vertrauen ein zweifelsfreier emotional-assoziativer Gedanke ist, dann wird der Wert oder die Menge des genommenen oder gegebenen nicht entscheidend für die Zufriedenheit beim Geben oder Nehmen. Es wird einander Vertrauen geschenkt! Manchmal auch oder gerade wenn die Geschenke ungleich sind. Darüber sollte ich im Alltagsleben öfters nachdenken und vor allem nachfühlen, immer wenn ich das Gefühl habe, ich vertraue gerade jemandem oder mir wird vertraut! Zweifel sind immer eine Katastrophe, wenn es um Vertrauen geht. Aber Zweifel lassen mich eine neue Mitte finden. Sie führen mich zur bewussteren Rückkopplung und Aussöhnung.

 

Das Interessante an bewusster Rückkopplung und Aussöhnung ist: Ich muss in der Praxis nicht lange nach Aspekten suchen, die ich auf mich beziehe. Wirkeinheiten und ihre Aspekte, die mir in meiner Umgebung unmittelbar auffallen, die mir »von allein« bewusst werden, treten nicht durch Zufall in mein Bewusstsein, fallen mir nicht durch Zufall auf. Sie haben meistens einen tatsächlichen und wesentlichen Bezug zu meiner unmittelbaren Lebenssituation, oft einen Bezug zu meinen unmittelbaren Bedürftigkeiten, Zielen, meinen unbewussten und bis jetzt unerkannten Problemen oder besonderen Aspekten meines Lebens. Befinde ich mich in der Ausbildung auf der ständigen Suche nach der ganzheitlich-freien Lebensweise, haben viele Dinge um mich her diesen Bezug zu dieser Suche – genauer – jeder rational-folgerichtige und emotional-assoziative Gedanke!

Das »Brummfliegen-Keksklau-Beispiel« von eben ist beispielsweise ein Momentklassiker. Genau in dem Moment damals bei meiner Oma, als ich am Klauen war, wird mir der Klauaspekt mit Hilfe meiner Umgebung (Brummfliege) bewusst. Wenn es die Umgebungssituation »schafft« mir mit Hilfe der Fliege diesen »Klaugedanken« hervorzurufen, dann nicht ohne Grund! Kein Zufall!

Bin ich ehrlich zu mir, muss ich zugeben, dass bei allen folgerichtig-rationalen Absicherungsantworten ein gewisser Klauaspekt nicht wegzudenken, zu leugnen ist – denn ich habe in dem Moment ans Klauen gedacht, obwohl ich keinen Grund dazu gehabt hätte. Vor allem nicht bei Omas Keksen und ihrem Verhältnis zu mir und den Keksen! Bei völliger Freiheit meiner Vorstellungs- und Erlebniswelt wäre die Brummfliege eine Brummfliege, die Keksschachtel eine Keksschachtel für mich und beide Wirkeinheiten nur durch ihr »Dasein« in eben diesem Keksbeschaffungsmoment miteinander verbunden.

Mit einem astreinen Gewissen und einem tadellosen Vertrauen und bei astreiner Zufriedenheit hätte ich nicht einmal den »Ich-geniesse-jetzt-völlig-frei-Gedanken«. Sondern da wäre ein feiner, bewusster ganzheitlich-freier Gedanke... mit vielen stimmig schillernden Gedankensternchen, und die tiefe Gewissheit, es passiert etwas sehr Gutes mit mir und den Keksen und meiner Oma im Lebensmoment...

 

Weitere Spielhinweise: Ich kann das Rückkoppeln-Aussöhnen variieren, indem ich still in meiner Umgebung verharre und einzelne Aspekte, Veränderungen und Wirkeinheiten auf mich und meine momentane Lebens- oder Ausbildungssituation beziehe.

Oder ich bewege mich, wandere gemütlich oder spiele mit der Rückkopplung und Aussöhnung während einer Zugfahrt oder beim Skifahren oder wenn ich sehr schnell renne. Ich merke, dass es ein Genuss sein kann, den Methode-ES-Bewusstwanderzyklus in verschiedenen Lebenslagen bewusst zu durchlaufen. Ich kann mich mit etwas Übung in sehr lebhafte Umgebungssituationen hineinleben und mein Bewusstsein der Umgebungssituation schenken.

Jeder RW-Gedanke, der mir nun im Lebensmoment aufkommt, hat eine ernstzunehmende besondere Bedeutung und unmittelbaren Momentbezug im Sinne der Ausbildung. Diesen Bezug gilt es nun praktisch und tatsächlich abzusichern, zu durchdenken und auszusöhnen – z.B. auch bevor du weiterliest!

Kurz: Die Rückkopplung & Aussöhnung meiner unmittelbaren folgerichtig-rationalen Gedanken, emotional-assoziativen Gedanken und meiner Gedankensprünge zeigt mir all meine »Problemzonen« im Hinblick auf meine ganzheitlich-freie Lebensweise eben sehr deutlich und immer unmittelbar.

 

Lege ich nun das Buch aus der Hand, muss das im Sinne der Ausbildung nicht verkehrt sein!

 

Der Methode-Es-Bewusstwanderzyklus ist immer mit dir als Subjekt und Individuum verbunden. Man kann also grundsätzlich nicht erwarten, dass Aspekte, rational-folgerichtige und emotional-assoziative Gedanken, verschiedene Wirkeinheiten und Beziehungen in einem Lebensmoment auch für ein anderes Nervensystem von besonderer Bedeutung sind und in ihm die gleichen besonders bedeutsamen Gedanken und Regungen aufkommen.

Anders sind Momente jedoch, die zwei gerade ganzheitlich-frei denkende Menschen zusammen erleben, meist genügt ein Lächeln als Kommunikationsleuchtturm.

Solche bewussten ganzheitlich-freien Kommunikationssituationen entziehen sich jedoch weitgehend einer rational-folgerichtig gedanklichen Schilderung. Die Kommunikation im ganzheitlich-freien Denken wirkt nicht nur bewusst über das Wort und rational-folgerichtigen Gedankengängen, sondern berührt natürlich auch direkter auf emotional-assoziativer und damit körperlicher Funktionsebene, und sie wirkt auf ganzheitlich-freier Funktionsebene des Nervensystems und der restlichen Körperzellengemeinschaft und damit auch über die unmittelbare Umgebungssituation.