DAS BEWUSSTWANDERN-PROJEKT:    rational    emotional    ganzheitlich   

S. 309 - 310 Rückkoppel- und Aussöhnübung 10: MW-Umschaltarbeit

Rückkoppel- und Aussöhnübung 10

Die MW-Umschaltarbeit

Erinnere dich an die physiologischen Grundlagen der Reizleitung und Verarbeitung oder lies hierzu ein Fachbuch über die Arbeitsweise von Nervenzellen. Es gibt neben den folgerichtig-rationalen und emotional-assoziativen Gedanken die dir bewusst werden können auch sehr viele Nervensystemaktivitäten, die einfach unbewusst ablaufen. So könnte man z.B. einen Reflex als sehr kurzen, unterbewussten, rational-folgerichtigen Gedanken bezeichnen. Doch betrachten wir unsere Funktionsebenen des Nervensystems im „Bewusstseinsmodus“ und rufen uns noch einmal die beiden Arten von Gedanken ins Bewusstsein.

Aktivieren Umweltreize, Biomoleküle oder Körperbewegungen, oder deine Vorstellungskraft eine oder mehrere deiner neuronalen Wirkeinheiten, welche dann besonders aktiv werden und dabei synaptisch-seriell miteinander in Verbindung stehen, dann können dir folgerichtig-rationale Gedanken entstehen.

Aktivieren Umweltreize, Biomoleküle, Körperbewegungen oder deine Vorstellungskraft deine neuronalen Wirkeinheiten, welche dann besonders aktiv werden und dabei synaptisch-parallel miteinander in Verbindung stehen können, dann entstehen dir emotional-assoziative Gedanken.

 

Besonders aktiv werden heißt dabei, dass an den Nervenzellen elektrische Aktionspotentiale messbar werden und es zur Reizweiterleitung und Übertragung mittels ausgeschütteter Neurotransmitter über den synaptischen Spalt hinaus und damit zur nächsten Nervenzelle (bzw. neuronalen Wirkeinheit) kommt.

 

Im Alltag beim (Ver)Suche und Kennenlernen, beim Einl(i)eben und Üben, bei der bewussten Rückkopplung und Aussöhnung bzw. bei der bewussten Verarbeitung von Nervensystemaktivitäten stehen dir also als Mensch zunächst zwei Funktionsebenen zur Verfügung. Wie beim Radfahren stehen dir in der Ausbildungspraxis also zwei bewusst einsetzbare »Denk-, Erlebnis-, Vorstellungs- bzw. Rückkopplungs- und Aussöhnungsgänge« (Zweigangschaltung) zur Verfügung.

1. Gang – das folgerichtig-rationale Denken/ bewusste RW-Arbeit = langsam Fahren bzw. wenig Vielfalt auf sich wirken lassen bzw. Vielfalt rational-folgerichtig erleben bzw. verarbeiten.

2. Gang – das emotional-assoziative Denken/ bewusste EW-Arbeit = schnell Fahren bzw. mehr Vielfalt auf sich wirken lassen oder Vielfalt emotional-assoziativ erleben bzw. verarbeiten.

 

Das Umschalten kannst du auch bewusst steuern und zwar mit deinem Metawerkzeug, dieses kannst du auch Umschaltwerkzeug nennen.

 

Noch eine Verbindung zum Radfahren. Bist du gut mit der Umschaltung, dann passt du die Gänge dem Gelände an und hast eine ruhige, zufriedene Fahrt, egal wie schnell die Vielfalt an dir vorbeirauscht. Oder anders: Willst du immer schneller durch die Vielfalt fahren, musst du schalten, sonst übertourst du dich, kommst an eine ungemütliche Grenze mit deinem 1. Gang und riegelst früher oder später ab. Bis auf Extremsituationen ist das Problem im Alltag also nicht die Vielfalt und Veränderlichkeit deiner Umgebung, die auf dein Nervensystem einwirkt, sondern das Problem liegt im »Nicht- Umschalten-Können«, im »Zu-spät-in-die-Gänge-kommen«.

Vom rational-folgerichtigen Gedanken zum emotional-assoziativen Gedanken und wieder zurückschalten... Diese Vorstellung, dieses Gleichnis entspringt natürlich der RW-Arbeit, bzw. dem rational-folgerichtigen Denken.

Das Fahrradgangschaltungsbeispiel kann dir vielleicht nützlich sein, gerade für deine ersten bewussten MW-Anwendungen während deiner bewussten Rückkoppel-Aussöhnarbeit. Hast du die Vielfalt und Veränderung der eigenen rational-folgerichtigen und emotional-assoziativen Gedanken erlebt? Konntest du der ewig gleichen Vielfalt, ihren Variationen und Veränderungen bis hierher folgen? Sei ehrlich zu dir selbst und denke nach, meditiere. Selbst bis hierher zu lesen, ist nicht ganz unverrückt. Denk nach über Verrücktheit, vor allem im Zusammenhang mit bewusster Rückkopplung und Aussöhnung! Denke über das »neue Verhalten« von dir nach. Bewusst zwischen rational-folgerichtigem und emotional-assoziativem Denken umschalten zu können, bedeutet den Weg zum ganzheitlich-freien Denken einzuschlagen. Umschalten heißt verrücken, verändern, loslassen und neu erfassen und wieder neuartig, wirkungsvoll verbinden, sich wieder neu zurechtfinden, fussfassen. Wer schon beim ersten Mal »Verschalten und Absaufen« das Handtuch wirft, ist eben raus aus der Fahrschule. Aber auch 70-jährige dürfen (sich) noch (er)fahren, schalten, verrücken, versuchen, geduldig sein! Nutze den Tag, nutze die Nacht! Der bewusste Einsatz deiner drei geistigen Werkzeuge, auch im Zusammenhang mit dem Bewusstwanderzyklus kann eine Revolution im Alltagleben und in jedem Lern-, Erziehungs- oder Ausbildungsprozess sein.

Bevor du nun im Rückkopplungs- und Aussöhnungsalltag hoch und runter schaltest, beschäftigen wir uns erst noch genauer mit der Theorie. Wir haben das Glück, dass unsere Gehirnmaschine selbstbewusster ist als jede Schaltung und über sich selbst bescheidwissen kann. Dieses Wissen, dieser Kern des ganzheitlich-freien Selbstbewusstseins ist nun ganz nüchtern als folgerichtig-rationale Begrifflichkeit mit dem Namen »bewusste Rückkopplung und Aussöhnung« in jedem Lebensmoment mit uns und doch ruht in ihm die gesamte Vielfalt an rational-folgerichtigen und emotional-assoziativen Gedanken, Stimmungen und Erlebnissen.

Doch ohne die bewusste MW-Umschaltarbeit sind das ganzheitlich-freie Denken und ein ganzheitlich-freies Bewusstsein nicht erschließbar. Wir würden die Relativität jedes rational-folgerichtigen und emotional-assoziativen Gedankens, jeder Stimmung im Alltag nicht erkennen können und in allen Situationen zwanghaft bzw. animalisch Leben bzw. Handeln. Wir könnten jeden rational-folgerichtigen und emotional-assoziativen Gedanken nicht als Hilfsmittel oder Option begreifen, sondern müssten ihn immer dogmatisch und unkritisch aussöhnen. Wir Menschen würden dann in unseren unmittelbaren Umweltverbindungen und früheren Umwelterlebnissen »gefangen sein« und uns in der gleichen Umgebungssituation als weniger frei empfinden.

Ein unbewusstes oder halbbewusstes Denken ist grundsätzlich weder negativ noch positiv, es ist und bleibt natürlich ein wichtiger Wesensgrund des gesunden Nervensystems. Die Arbeit unseres Nervensystems wird immer auch unbewusst und halbbewusst sein. Doch auch das ganzheitlich-freie Denken hat seinen Platz und ist natürlich und wird und muss sich natürlich immer wieder am Lebensmoment und am Umgebungssystem ausrichten (müssen). Und doch kann es jeden Menschen auch im sozial-kooperativ-ökologischen Sinne befreien und es kann den Menschen und seine Gemeinschaften ebenso natürlich gewaltfreier, vernünftiger und erfüllter im Lebensmoment sein lassen. Wir Menschen haben uns noch nicht eingenischt und das ganzheitlich-freie Denken (unabhängig vom Begriff) wird ein wichtiger Schlüssel hierfür in der nahen oder fernen Zukunft sein.