DAS BEWUSSTWANDERN-PROJEKT:    rational    emotional    ganzheitlich   

S. 255 - 257 Traumfreiheit erleben

Traumfreiheit erleben

 

"Fühlst Unrast du und Sehnsucht tief,

bist unzufrieden du mit deinen sicheren Mauern,

fängst du noch nachts die Träume ein,

die dich am Tage dann belauern?

 

Sodann bist du ein Wanderer, so lange bis du’s für dich weißt,

egal wie deine Berufung sonst noch heißt!"

 

Weitere rational-folgerichtige Orientierungspunkte auf dem Weg zum ganzheitlich-freie Denken finden sich im Schlaf. Die nächtliche Ruhephase kannst du bald klarer und bewusster erleben. Du kannst beim Einschlafen vom bewusst wahrgenommenen Alltag in einen bewusstseinsklaren, ganzheitlichen, meditationsähnlichen Traumzustand übergehen. Mit zunehmender bewusster Rückkoppel- und Aussöhnübung wächst deine Fähigkeit auch »Traumszenen« im Schlaf bewusst zu steuern! Zum Teil lassen sich Träume bewusst steuern bzw. meditativ rückkoppelnd und aussöhnend verändern. Sie werden zu bewussten Phantasiereisen, mit starken Bezügen zu Wirkeinheiten und wirkungsvollen Verbindungen, die du auch aus deinen früheren Wach- oder Traumerlebnissen kennst. In diese Traumreisen können momentane Umweltreize der nächtlichen Umgebung (Gerüche, Geräusche) sogar bewusst mit eingearbeitet werden oder thematisch beteiligt sein. Deine Träume können zu dem einen überraschend klaren, oft unmissverständlichen Tageserlebnis- oder Umgebungssystembezug bekommen und haben oft ganzheitlich-freien Charakter. Sie können voller rational-folgerichtiger, emotional-assoziativer Gedanken stecken, voller Sinneseindrücke, Farben, Gerüche. Sie können dich auch konkret oder gleichnishaft auf Sehnsüchte und Ängste aufmerksam machen, die du vielleicht noch auf deinem Weg zum ganzheitlich-freien Denken bewusst rückkoppeln- und aussöhnen musst.

Deine Träume können Visonscharakter haben, also zukünftiges Geschehen vermuten lassen, ankündigen oder die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft über tiefere persönliche Bedeutsamkeiten in ein neues Licht rücken. Träumerlebnisse können durchaus tiefer berühren als Erlebnisse des Tages. Eine wesentliche Besonderheit von Traumerlebnissen ist es, dass dir Traumerlebnisse aufzeigen können wie groß das Potential deines Nervensystems eigentlich ist emotional-assoziativ oder auch ganzheitlich-frei zu empfinden und zu sein, sofern nicht die folgerichtig-rationale Funktionsebene „dazwischenfunkt und runterzieht“. Auch und gerade deshalb stöbern Traumerlebnisse unsere Alltagswirklichkeitserfahrungen auf, weil hier ja dann und wann die folgerichtig-rationale Funktionsebene deutlich im Hintergrund steht. Diese Arbeitsweise entspricht nicht der gewöhnlichen in der Wachphase und dort in den Alltagssituationen unserer westlichen Gesellschaften. Wie gesagt sind die Nervensysteme der heutigen Gesellschaftsteilnehmer sicher (statistisch signifikant) zu einseitig auf der folgerichtig-rationalen Funktionsebene entwickelt, ausgebildet, tätig, ja oft gerade dort überansprucht. So müssen wir uns auch am Morgen damit abfinden, dass diese tiefen, intensiven, nächtlichen Berührungen der Seele mit Worten oder genauer mit unserer „alltagsgewöhnlichen“ folgerichtig-rationalen Funktionsebene nicht zufrieden stellend anderen Menschen zu vermitteln ist oder gar (zur nachträglichen Analyse) wieder einzufangen sind. Gerade das rational-folgerichtige Denken, Suchen und Erinnern muss ohne große Metatoolumschaltarbeit kläglich scheitern. Allein auf bzw. mit Hilfe der folgerichtig-rationalen Funktionsebene unseres Nervensystems wird dieser Traum nicht wiederzufinden sein. Mit diesen Zeilen ist angedeutet, welche Kraft und Tiefe, welche Intensität und Erlebnisschönheit der bewusste Einsatz unserer drei geistigen Werkzeuge bei der bewussten Rückkoppel- & Aussöhnarbeit eröffnen und freilegen kann.

 

Im Übrigen kannst du im Traum auch sehr bewusstseinsklar erleben, was kurze Zeit darauf auch tatsächlich im Wachzustand passiert bzw. passieren würde, wenn du nicht entsprechend aussöhnst! Du kannst dazu lernen, bewusst aus dem unbewussten Schlaf in den bewussten (Traum)Schlaf und dann in den Wachzustand zu gelangen! Wie ist nicht einfach rational-folgerichtig zu beschreiben. Versuche dich unermüdlich an der bewussten Metatoolumschaltarbeit, setze deine drei Funktionsebenen, also deine drei geistigen Werkzeuge so bewusst ein wie du kannst, versuchen den Methode-ES-Bewusstwanderzyklus so oft es geht bewusst zu durchlaufen. Vieles unerklärbare kommt dann mit der Routine, denn auch hier bilden sich ja über die Zeit emotional-assoziative Nervensystembereiche. Du bekommst ein Gefühl für das bewusste Rückkoppeln- & Aussöhnen. Es „fällt“ etwas in dein Unterbewusstsein, was doch immer wieder und sehr direkt etwas mit Bewusst-Sein zu tun hat. Am Ende deiner Ausbildung und auf dem Kammweg des ganzheitlich-freien Denkens & Lebens hast du auch gelernt bewusst zu träumen! Hilfreich und Wirkungsvoll kann dein Denken dann auch am Tage sein. Mehr sei hier nicht gesagt.

 

Prinz: Wie, du willst mir erzählen, dass ich im Traum erlebe, was nach dem Aufwachen dann erst und genau so passiert?

 

König: Was du dir bei dem folgenden Beispiel denkst, ist dir überlassen. Ich saß jedoch eines schönen Herbstabends auf einem Hochstand im Wald und beobachtete das Rotwild. Der Herbnachthimmel versprach wunderbar klar zu werden, denn die Atmosphäre war schon kalt und kalte Luft nimmt ja weniger Wasserdampf auf... so klar wird im Sommer der Nachthimmel nie. Ich machte mir so meine Gedanken und mein Rotwild ging seiner Wege und hatte sicher heute Nacht noch ein anderes »Stell-dich-ein« und so legte ich mich in den Hochstand. Diagonal passte die Isomatte genau in den kleinen Bretterverschlag und mit meinem Daunenschlafsack und der Herbstwaldluft um der Nase versenkte ich mich noch mal in meine Tageserlebnisse und bald war mir nicht mehr bewusst, dass ich tief und fest schlief. Sicher verschlief ich die nächtliche Brunft...

Irgendwann jedoch kam ich dann im unbewussten Schlaf zum (Traum)Bewusstsein. Ich träumte sehr klar. Ein Waldmann kam auf leisen Sohlen den Waldrand entlang. Er wollte ganz sicher genau auf meinem Hochstand ansitzen und mich überkam ein gar schauderhafter Gedanke im Morgengrauen. Wenn ich nicht aufwache und ihn unten leise warnte, dann erschrickt er am Ende und fällt vom Hochstand rücklings und bricht sich Hals und Ohren. Ich bin dann an seinem Tod schuld! Ich kämpfte regelrecht aus dem Traum herauszukommen, aufzuwachen, die Augen aufzuschlagen, meine Beine zu bewegen und aufzustehen, möglichst bevor er die Tür aufzieht und erschrickt.

Ich schaffte unter Aufbietung meiner ganzen Bewusstseinskraft aufzuwachen und aufzustehen. Mir war dabei als hätte ich eine Bleiplatte von mir gestoßen, als hätte ich – alles oder nichts – nur noch diese Chance.

Ich war nun jedenfalls wach und der Morgen dämmerte tatsächlich und da – ein Geräusch am Waldrand! Ein Waldmann kam und ging leise in meine Richtung. Und als er gerade an den Hochstand tritt und seinen Fuß auf die erste Leitersprosse stellt, da rief ich ihm leise zu. Er schaute aufwärts und fragte: „Sitzt schon jemand an?“ und ich entgegnete leise: „Ja“. Der Waldmann ging dann leise und rücksichtsvoll weiter. Ich hatte mein erstes unvergessliches, außergewöhnliches Erlebnis.

Es sollte nicht bei diesem einen außergewöhnlichen Traum-Wacherlebnis bleiben. Ich hatte dieses Erlebnis das erstel Mal in der Zeit, in der ich auch mit dem bewussten, meditativen Rückkoppeln & Aussöhnen experimentierte und bereits einige Übung mit meinen drei geistigen Werkzeugen hatte.

 

Prinz: Na ja fast unglaublich!

 

Solche Träume werden nicht in jeder Nacht die Normalität sein, aber die Kunst des bewussteren Träumens bzw. Schlafens kannst du jede Nacht üben! Versuche meditativ einzuschlafen (wie z.B. in der Schule der Aussöhnung »Erlebtes ins Meer der Vielfalt einbinden« beschrieben). Mit geduldiger Übung schaffst du nach einigen Wochen bis Jahren bewusst eine »entspannte Mitte« im Schlaf zu finden. Es ist am Anfang eine sich immer wieder in die ein oder andere Richtung ablenkende Gradwanderung zwischen unterbewussten Schlaf, bedeutungslosen und bedeutsamen Traumsequenzen, bewusster Meditation mit bewusst herbeigeführten Imaginationen bzw. Vorstellungen, zufällig aufkommenden Imaginationen und Vorstellungen, unmittelbaren Umgebungsreizen (Draussenschlafen empfohlen) und unbewussten bis bewusst wahrgenommenen Bewegungen und Körperreaktionen (wie sie auch bei unbewusster schlafenden Personen beobachtet werden können z.B. Augenrollen, Zähneknirschen, Schnarchen, Drehen, Schweregefühle, Temperatur- und Pulsveränderungen usw.) Sehr interessant sind solche Traum-Bewusstseins-Erfahrungen. Du kannst dann deutlich miterleben, wie dein Körper die Ruhe der Nacht benötig und nutzt und alle körperlichen Zeichen der Schlafphasen zeigt. Dein Nervensystem kann jedoch bewusst im Schlaf arbeiten und beobachten, zunehmend bewusster auch Traummomente rückkoppeln und aussöhnen!

Es kann der Eindruck entstehen, dass sich dein Bewusstsein außerhalb deines Körpers befindet. Oder du bewegst deinen Körper in deiner Vorstellung und es stellt sich tatsächlich ein Körpergefühl ein, als ob sich dein Körper im Vorstellungsraum frei bewegt, obwohl er dabei ja viele Minuten weitgehend bewegungslos und menschlich in deinem Bett ruht! Es gibt in dieser nächtlichen Erlebniswelt des Schlafens einiges für dich bewusster zu entdecken und zu erleben!

Deine MW-Arbeit scheint manchmal in bewussteren Träumen wie ferngesteuert und arbeitet überaus spontan und zum Teil kreativ, es können Stimmungen, Geschichten oder Lieder entstehen...

Die Beobachtung deines Schlafverhaltens und deiner Trauminhalte bieten besondere Möglichkeiten, um für dich selbst zu beurteilen, wie ausgesöhnt du mit deinem Leben bist. Träume sagen dir in ihrer Gesamtheit besonders deutlich wie positiv und konfliktfrei du deiner Umgebung oder Teilen davon gegenüberstehst, oder wie lebendig du mit ihnen Verbunden bist oder sein könntest. Dir kann es passieren, dass du im Traum weinst und darüber aufwachst. Dir kann es passieren, dass du im Traum aus ganzer Seele heraus lachst und darüber aufwachst! Träume können auch Visionscharakter haben, sie können dir einen neuen Rückhalt bieten, dich neu Orientieren oder dich auf ungelöste Konflikte deiner Ausbildung hinweisen.

Trauminhalte im Schlaf oder im Wachzustand bewusster rückzukoppeln und auszusöhnen und selbst zu entscheiden ob gleichnishafte, symbolische, direkte Sinnzusammenhänge zu deinem Alltagsleben bestehen oder etwas dran ist an deinen Träumen und ihren Inhalten, dass ist grundsätzlich im Sinne der Ausbildung zum ganzheitlich-freien Denken. Vor allem wenn sich Trauminhalte öfters wiederholen und ähneln, dann ist meist deine bewusstere Auseinandersetzung und Aussöhnung damit günstig. Sind deine nächtlichen Erlebnisse im Schlaf positiv, dann darfst du sie natürlich einfach nur geniessen. Es liegt ein bedeutsamer Reichtum im Schlaf.

Die Schlaffreiheit (siehe auch in Schule der Aussöhnung, zweites Buch) begünstigt und beschleunigt die Ausbildung des ganzheitlich-freien Denkens enorm. Dabei ist Schlaffreiheit nicht mit Schlaflosigkeit zu verwechseln.