DAS BEWUSSTWANDERN-PROJEKT:    rational    emotional    ganzheitlich   

S. 197 - 203 Die kleinen bewussten Erlebniswanderungen

Die kleinen bewussten Erlebniswanderungen

 

Es bietet sich an, die Vielfalt auf dem zweiten Ausbildungsabschnitt mit Hilfe von zwei Ausführungsvarianten der kleinen bewussten Erlebniswanderung zu suchen, zu entdecken und auszusöhnen.

 

Abbildung 9: Die klassische Erlebniswanderung ist die erste Variante der kleinen bewussten Erlebniswanderungen

Die klassische Erlebniswanderung & die RW-Erkundungswanderung gewährleisten, dass du dich effektiv mit dem oben beschriebenen kleinen bewussten Weiterwanderzyklus beschäftigen kannst. Die Ausführungsvarianten ergänzen einander und sind auf den zweiten Ausbildungsabschnitt zugeschnitten.

Mit deinen klassische Erlebniswanderungen (hier beschrieben) und deinen RW-Erkundungswanderungen (siehe Wegeinheit 5 weiter unten) wirst du dich effektiv im Sinne der Ausbildung durch die Vielfalt und später auf den dritten Ausbildungsabschnitt bringen.

Bevor du in der Vielfalt verschwindest und du dich mit und an ihr geistig und körperlich bereicherst, kannst du dir noch durchlesen, wie eine erste klassische Erlebniswanderung aussehen könnte. Es spart viel Zeit, wenn du dir folgenden Durchführungsplan zur Gewohnheit machst: Vorbereitung > Erlebniswandern > Nachbereitung...

Klassische Erlebniswanderung, Vorbereitungsphase:

Saubermachen: Saubermachen heißt nicht unbedingt, dass du deine Wohnung aufräumen musst. Das wäre zwar löblich und du freust dich selber, wenn’s nicht überall juckt und stinkt oder wenn du von einer abenteuerlichen Erlebniswanderung durch die Chaos-Vielfalt in ein ordentlich gemachtes Nest fallen kannst – nein viel wichtiger ist die Sauberkeit in deinem Kopf. Das heißt, es gilt vor dem Aufbruch (möge er auch noch so kurz sein) jene Verbindungen in deinem Umfeld zu stabilisieren, die während deiner Abwesenheit Schwierigkeiten machen könnten und dir so die Ruhe beim Erleben rauben können, weil du immer wieder an die Probleme zu Hause denken musst. Ein ehrliches, sauberes, einfaches Beziehungsumfeld macht jede klassische Erlebniswanderung außerordentlich effektiv.

Der Tante eine Geburtstagskarte schreiben, Verabredungen absagen und dringliche Geldgeschäfte tätigen, Versprechen einlösen, Einkauf für die Kinder... und die Herdplatte ist auch noch an. Selbst kurze Erlebniswanderungen in deiner Wohnung oder deiner häuslichen Umgebung sind wenig sinnvoll, wenn du noch tausend Sachen zu tun hast, die dann in deinem Kopf kreisen.

 

Es gilt dann diese Dinge des Alltags eines nach dem anderen zu erledigen, eben dich so mit deinen folgerichtig-rationalen Gedanken und emotional-assoziativen Gedanken über diese Dinge auszusöhnen.

 

Mit der Zeit wirst du genau merken, was für Dinge (Sorgen) dich immer in den schönsten Momenten belasten. Bringst du diese in Ordnung, kannst du beim nächsten Mal viel weiter wandern und dauerhafter genießen.

Saubermachen zeigt dir also genau deine Stärken und Schwächen – du lernst dich besser verstehen und kannst mit deinen Macken besser umgehen. Auch dein Innerland, deinen Innergarten, deine Innerwohnung, deine Erinnerungen und Träume, deine Wünsche... eben deine folgerichtig-rationalen Gedanken und deine emotional-assoziativen Gedanken solltest du »aufräumen«.

Bei längeren klassischen Erlebniswanderungen über viele Stunden, Tage oder Wochen wird das Saubermachen oberste Pflicht. Gesundheitscheck und Zahnarztbesuch dienen genauso deiner Sicherheit im Kopf wie gezielte Besuche bei Freunden und Verwandten (Sauberkeit in deinen zwischenmenschlichen Beziehungen). Saubermachen kannst du in allen Lebensbereichen, welche deine Ausbildung berühren und das sind praktisch alle! Wissen was alles noch vorhanden ist und an einen Platz stellen – sodass dir behaglich ist! Ähnlich ist das auch mit deinem Lebensumfeld und mit deiner Gesundheit. Beim Saubermachen kannst und solltest du zunehmend ganzheitlich vorgehen.

Unordentlichkeiten können dir deutlich zeigen, was noch verändert werden könnte, wo es weiter geht. Hier merkst du, dass Zufriedenheit und Sauberkeit auch sehr subjektiv sein kann. Der eine hat seinen Frieden und keine Sorgengedanken im Nervensystem, obwohl er körperlich behindert ist. Dem anderen machen seine neuerdings auftretenden Knieprobleme sorgen, denn er will doch den Berlinmarathon unbedingt durchziehen.

Freiheit beginnt im Nervensystem! Das gilt auch für das Saubermachen. Wenn du die wichtigsten Verbindungen in deinem Nervensystem und zu deiner Umwelt stabilisiert hast, wird es nun Zeit aufzubrechen und dich dem kleinen bewussten Weiterwanderzyklus (Suchen-Erleben-Aussöhnen) zu widmen. Es sei denn, das Saubermachen an sich ist deine erste bewusste Erlebniswanderung und wird dir zum Genuss und zum Entdeckungsabenteuer!

Ausrüstungscheck: Die Ausrüstung ist weniger ein Problem. Du hast meist alles am und im Körper, was für deine Nervensystemausbildung wichtig ist. Der Rest ist dein Bier. Eine kleine Ausrüstungsschule findest du unter dem gleichnamigen Kapitel weiter oben. Für den Anfang der Wanderschaft reichen deine normale Kleidung und ein »Pausenbrot«. Gerade bei der Ausrüstung zeigen sich die Vorteile einer ganzheitlichen Ausbildungswanderung, die sich an dem Ausbildungs- und Lebensprinzip »Hilf« orientiert. Was das bedeutet, erfährst du im dritten Buch.

Während der Erlebniswanderungen ist es sehr hilfreich, wenn du dein »geistiges und körperliches Ausrüstung- und Werkzeugarsenal« bewusst »im Kopf« hast. So lernst du besser die Stärken und Schwächen deiner geistigen Fähigkeiten kennen und weißt immer besser Bescheid, was du schon kannst und was (noch) nicht. Das stärkt dein Selbstvertrauen. Das gibt vor allem am Anfang der Ausbildung ein sicheres Gefühl. Auch wenn du »nackig« in der Gegend herumstehst, bist du bis an die Zähne mit sehr wirksamen Hilfsmitteln ausgerüstet. Du wirst vielleicht erstaunt sein, was alles Brauchbares in dir steckt und an dir herumhängt. Ein hilfreicher Ausrüstungsgegenstand ist ohne Zweifel Wanderweisheit Nummer 3.

Wanderpause: Ja, die klassische Erlebniswanderung beginnt mit einer Wanderpause! Oder besser nach dem Saubermachen und dem Ausrüstungscheck erst mal durchatmen. Denn es geht nun darum, in eine verspielte, gelöste Erlebnisstimmung zu kommen. Das ist eine Grundvoraussetzung für die Ausbildung deines Gehirns.

Es hat die Praxis gezeigt, dass beim Losgehen Herzschlag und Blutdruck ansteigen und sich ein Lampenfiebergefühl einstellen kann. Mehr oder weniger intensiv natürlich, doch selbst bei Wandergurus ist das zu beobachten und sie vergessen dann doch die Herdplatte auszuschalten. Da es dir und deinem Gehirn um eine möglichst bewusste Wanderung geht und jegliche Verkrampfung oder Rastlosigkeit den Ausbildungserfolg mindern und den Erlebnisgenuss schmälern kann, solltest du von Anfang an ganz geschmeidig loswandern. Anstrebenswert ist ein friedlicher, gelöster Zustand, ungefähr mittig zwischen Ignorexschlaftablette und dem Fluchtverhalten eines Wiesels. Es geht darum dein Nervensystem für Neues empfänglich zu machen, sodass du auf deiner Wanderung auch von den Verbindungsänderungen deiner Umgebung, die durch deine Sinne hereinkommen, bereichert werden kannst.

Es gibt unzählige Methoden, uralte wie brandneue, wie du schnell und effektiv zu dieser empfänglichen, offenen »Mitte« finden kannst. Das ist keine große Sache und bedarf meist sehr wenig, nur etwas Übung. Gerade wenn du in einem stressigen Berufsfeld leben musst, ist der Übergang in die Welt der geschmeidigen Erlebniswanderung eher heftig. Hier stellt die Wanderpause die Brücke zwischen beiden Erlebniswelten her.

Egal wie die Wanderpause konkret aussieht und wie effektiv sie am Anfang ist, du hast deinem Gehirn ganz bewusst ein Zeichen gesetzt, dass du dich nun bewusster um seine Entwicklung kümmerst. Schon dies allein hat unglaubliche Wirkung.

Klassische Erlebniswanderung, Erlebniswanderphase:

Nun kannst du frei wie ein kleines Kind dahinhopsen, wo dich deine Neugier und der Lebensmoment hintreiben.

 

Dabei geht es darum, so häufig wie möglich, den oben beschriebenen kleinen bewussten Weiterwanderzyklus zu absolvieren.

 

Wenn du auf deinen ersten Erlebniswanderungen nur einfach wanderst, ohne den kleinen bewussten Weiterwanderzyklus vollständig und ganz bewusst zu durchlaufen, ist das auch kein Problem. Das Erleben zählt bei jeder bewussten Erlebniswanderung, es zählt der Moment, die Sinneseindrücke in ihrer ganzen Einmaligkeit und es gilt, die unmittelbare Wirkung der Umgebung bzw. ihre Veränderung zu erleben und zu genießen. Je verspielter und gelöster du erlebst, umso leichter finden auch das Verbinden und das »bewusste Zyklisieren« inklusive der Erlebnisaussöhnung statt. Bald wirst du merken, dass es fast von ganz alleine geht. Ein natürlicher, sich selbstverstärkender Lernprozess. Hier noch mal die Bestandteile des kleinen bewussten Weiterwanderzyluses:

Suchen: mit Bekanntem in der Vielfalt spielen und dabei Neues finden;

Erleben: begreifen/ beriechen/ besehen/ schmecken/ hören und dabei spielen, verändern, variieren, Grenzen entdecken;

Aussöhnen: Erlebnisse mit der Vielfalt durch den Aussöhnschlaf, durch die Aussöhnmeditation oder die Aussöhnhandlung aussöhnen (siehe auch Schule der Aussöhnung weiter oben) bzw. bewusst nach und im Erlebnis Beziehungen und Verbindungen zu bereits bekannter Vielfalt herstellen...

Suchen, Erleben, Aussöhnen... Suchen, Erleben, Aussöhnen...usw.

Am Anfang kann es passieren, dass du gar keine Lust verspürst zum Wandern und Neugierigsein und kein einziges Genüsselchen aus deinen Verbindungen mit der Umgebung herauszufühlen ist. Hier gilt: Der Appetit kommt beim Essen!

Probier eben etwas anderes, wo du dann vielleicht einen besseren Einstieg in die Vielfalt bekommst. Hast du absolut nirgends positive rational-folgerichtige bzw. emotional-assoziative Gedanken (bewusste positive Emotionen), was sehr unwahrscheinlich ist, musst du dich mit Geduld immer und immer wieder auf vermutliche »Spaßbringer« einlassen. Lerne das Ski- oder Snowboardfahren, gehe Baden, geh ins Kino, lies ein Buch von Gary Brechet, lern ein Instrument zu spielen, über dich in der Kunst des Tantra oder backe dir den Lieblingskuchen aus deiner Kindheit. Der Moment bei dem dir wohl wird, ist das Tor für die klassischen Erlebniswanderungen und der bewusste positive Einstieg in die Vielfalt.

Es kann auch eine Fastenwanderung den Einstieg bringen oder ein Zeit im Wüstenstil. Du findest über die kleine Genussdrogenschule im ersten Buch Hinweise für eine positive und ehrliche Verbindung mit der Vielfalt.

Wandern heißt: Es geht weiter! Sich verbinden und sich lösen und du bestimmst auch bewusster wann der Moment zu Ende geht und wann du dich einem neuen Aspekt der Vielfalt widmest.

Aber, nach fünf Minuten, einer Stunde, einem Tag... ist eine Wanderpause fällig und wenn du clever genug bist, dann fädelst du diese Pause genau in zuckersüßen Momenten ein, so wie der Filmregisseur bei einer Serie. Dein Gehirn platzt vor Neugier und obendrein war das Letzte, was du bewusst von der Vielfalt hattest, ein guter, begeisternder, emotional-assoziativer Gedanke. Und darum geht es doch, oder? Lass dich von der Vielfalt anstecken und dann nach einer Pause geht es dann sicherlich noch besser und bewusster weiter.

Oft gibt es am Anfang Probleme mit der Erlebnisdimension. Du kannst den kleinen bewussten Weiterwanderzyklus schachteln wie eine Matroschka, kannst ihn an die vielen Dimensionen der Vielfalt anpassen. Du passt den kleinen bewussten Weiterwanderzyklus der Wirkeinheit an, die du untersuchen und erleben möchtest. Es kommt auf dein Interesse an, wo du wissentlich mit dem Weiterwanderzyklus zuschlagen willst, um deinem Nervensystem behilflich zu sein.

So kann ein ganzer Urlaub als Momenterlebnis dienen, welches du danach versuchst aussöhnend mit anderen Erlebnissen zu verbinden. Oder du guckst zu Hause in dein Kaleidoskop (mit Sternchen, Glimmerstreifchen, Regenbogenimitaten, kleinen silbernen Kullerperlchen und grünen Babysnowboards) und versuchst dieses kleine Erlebnis mit anderen Erlebnissen zu verbinden.

Für dein Nervensystem zählt im Sinne der Ausbildung die Anzahl der Zyklen, die du bewusst mit und in der Vielfalt durchläufst und später erst in welcher Dimension der Vielfalt du das tust. Da dich die Vielfalt ständig umgibt wie der Apfel den Wurm, ist es dir überlassen wie intensiv du durch sie hindurch erlebst bzw. hindurchwanderst.

Am Anfang vom zweiten Buch findest du in der Schule der Aussöhnung Hinweise und Tipps zum Aussöhnen. Du findest weiter unten Übungsvorschläge und Beispiele, mit denen du dir ein etwas genaueres Bild von den klassischen Erlebniswanderungen machen kannst.

Klassische Erlebniswanderung, Nachbereitungsphase:

Bevor dich der Alltag wieder eingeholt und dich ein wichtiger Termin nach dem anderen von deinen bewussten Gehirnentwicklungsübungen abhält, gilt es die klassische Erlebniswanderungen mit anderen Erlebnissen nochmals zu verbinden, danach eine Wanderpause einzulegen und bis zur nächsten klassischen Erlebniswanderung deinen Pflichten nachzuwandeln.

Ein paar Minuten werden sich nach einer Erlebniswanderung sicher noch finden, wenn nicht, vor dem Einschlafen hast du bestimmt ein paar Minuten. Ob das am Ende von deinem ersten bewussten Erlebnisurlaub ist oder nachdem du bewusst durch die Soundwelten der Lieblings-CD's deiner Freundin gewandert bist, spielt keine Rolle.

In dem du die Erlebniswanderung so bewusst beendest und insgesamt aussöhnst, schließt du zumindest einen kleinen bewussten Weiterwanderzyklus ab. Die Erlebniswanderung selber wird damit zu einem Teil der bewusst erlebten Vielfalt! Egal wie die Erlebniswanderung auch verlaufen ist, einen kleinen, bewussten Weiterwanderzyklus hast du somit immer im Kasten. Erlebniswanderungen brauchst du nicht zu fotografieren und kannst sie auch getrost wieder vergessen. Das wesentliche wird in deinem Nervensystem Bestand haben. Am Ende des zweiten Ausbildungsabschnittes wird sich ein Bild zusammenfügen und du wirst es dann ganz deutlich betrachten können. Und nur du wirst genau erkennen und fühlen können, was es darauf zu sehen gibt.

In Folgendem findest du zwei Beispiele für die klassische Erlebniswanderung.

Wanderübung zur 4. Wegeinheit

Erlebniswanderungen durchführe! Du hast jetzt alles an Ausrüstung dabei um sinnvoll durch die Vielfalt zu wandern:

das Basiswissen zur Ausbildung (siehe erstes Buch),

eine Routenbeschreibung (siehe erstes Buch),

das Wissen vom SMH-Aussöhnzyklus (zweites Buch),

das Wissen vom kleinen bewussten Weiterwanderzyklus,

dieses Buch und was du sonst noch deine Eigen nennst,

und natürlich die Vielfalt des Lebens im Moment.

Hier einige Beispiele und Vorschläge für erste mögliche kleine klassische Erlebniswanderungen durch die Vielfalt. Sie bieten nur einen Anhaltspunkt, nicht mehr. Denn du bist ja dein eigener Chef und Wanderführer.

Klassische Erlebniswanderung, Übungsbeispiel 1

Klassische Erlebniswanderung: Vom Sofa bis zur Partnerkrise... Eine anspruchsvolle Wanderung, denn du wirst mit viel Gewohnheit und Alltag konfrontiert. Es gilt da hindurchzudringen, um das Neue positiv zu erleben.

Vorbereitungsphase: Du machst so sauber, dass du eine halbe bis ganze Stunde ungestört wandern kannst. Dass reicht erst mal für den Anfang. Wenn du in »Aufräumerei« verfällst oder heimlich ein niederes Ziel verfolgst, als deine erste klassische Erlebniswanderung vorzubereiten, bist du ein »Beschisskittel« und dein Nervensystem bekommt das ganz sicherlich mit. Das ist ja nicht doof!

Den Ausrüstungscheck und die Pause brauchst du anfangs nicht übertreiben. Es reicht ein kurzes hinsetzen, dreimal tief durchatmen und los geht’s. Wenn du Fragen oder Ausrüstungsprobleme hast, dann kannst du in diesem Buchband weiterwandern, denn es ist ja schließlich auch Teil der Vielfalt deiner Umgebung, die es ab nun im Sinne der Ausbildung zu gebrauchen gilt.

Die Erlebniswanderphase mit dem kleinen bewussten Weiterwanderzyklus »in der Tasche« kann nun beginnen. Ob du die Fische oder die Schildkröte deiner Großmutter unter die bewusste Lupe nimmst, oder das übrig gebliebene Frühstücksei von heute morgen genau betrachtest und bewusst ins Detail gehst und dabei neue Geschmacksnuancen findest, ist deine Sache. Oder du wanderst durch dein Fotoalbum und schaust noch mal die Bilder von der letzten Gartenparty durch. Ganz genüsslich und unverkrampft schaust du dir die Bilder an. Die kennst du zwar schon alle – aber du gibst dir Mühe mit den Details, schließlich geht es ja um das Suchen nach der Vielfalt und da schaust du dir bei jedem Foto die Schuhe der Leute an...

Und was du nicht alles für Schuhe siehst und findest! Dir fällt zum ersten Mal auf, dass die vier etwas verschwommenen und verknoteten Beine im dunklen Gebüsch zu deinem Freund und eurer Nachbarin gehören. Die olivgrünen Turnschuhe kennst du doch. Das Momenterlebnis haut dich fast um. Und bisher hast du auf diesem Partybild immer nur dich gesehen, wie du stockbesoffen und auf allen Vieren im Vordergrund (mit der) Schildkröte gespielt hast. Und nun kommt es zu weiteren Verbindungen zwischen anderen Erlebnissen – sicherlich ganz automatisch. Und du lässt es nun fließen und versuchst dein Bilderlebnis positiv auszusöhnen. Keine leichte Aufgabe. Eine der vielen möglichen Verbindungen: Du weißt jetzt erst genau, warum deine Freunde immer so verspannt waren in letzter Zeit und besonders mit diesem Fotoalbum in der Runde. Und du hast auch noch darüber hinweggelacht – wegen der Schildkröte und so. Und nun kommt eine Verbindung nach der anderen. Fast von allein wanderst du in der Vielfalt deiner Erinnerungen – und schon ist die erste Stunde vorbei. Deine Gehirnentwicklung hat gewaltige Sprünge gemacht und du darfst ein wenig stolz auf dich sein. Nicht zuletzt weil du bei diesem emotional krampfigen Thema die wundervolle Vielfalt deiner Umgebung, deiner Erinnerungen und Gedanken nicht aus dem Bewusstsein verloren hast.

Vergiss die Nachbereitungsphase nicht! Mit ihr schließt du jedes Erlebnis ab und beendest so wissentlich deinen ersten kleinen bewussten Weiterwanderzyklus und deine erste klassische Erlebniswanderung. Prinzipiell kannst du deine erste klassische Erlebniswanderung nun getrost aussöhnen und sogar vergessen, denn dein Nervensystem hat sich bestens entwickelt.

Hinweis: Natürlich wäre zu wünschen, dass deine erste klassische Erlebniswanderung nicht so dramatische Veränderung in dein Nervensystem und deine zwischenmenschlichen Beziehungen bringt. Doch du solltest damit rechnen, dass einige Dinge ans Licht kommen, die dir bis jetzt entgangen sind. Das gilt für deine private und auch für deine gesellschaftliche Umgebungsvielfalt.

Letztlich ist es ja auch Sinn und Zweck der Ausbildung bewusster zu sein, wahrhaftiger zu leben. Es ist also keine Ausbildung zum Strauss! Eins kann dir vielleicht in der Startphase deiner klassischen Erlebniswanderungen helfen: Auch »außerhalb« deiner Ausbildungszeiten gelten die Wanderweisheiten, sonst wären sie keine geworden. Zum Beispiel: Es geht weiter! Oder: Nichts überbewerten!

Es ist ohne weiteres möglich, wochenlang Tausende von klassischen Erlebniswanderungen zwischen Sofa und Haustür zu Unternehmen, besonders wenn die Wohnung Fenster zu bieten hat bzw. Internet oder Weltliteratur oder eine gut bestückte Küche vorhanden ist.

Klassische Erlebniswanderung, Übungsbeispiel 2

Klassische Erlebniswanderung: Von hier bis nach überall.

Vorbereitungsphase: Du verlässt dein trautes Heim nach einer kurzen Saubermachaktion. Ausreichend pausiert hast du ebenfalls und so betrittst du ganz mittig in dir ruhend deine »neue Erlebnisarena der Vielfalt« vor deiner Haustür.

Erlebniswanderphase: Du hast dir vorgenommen, alles ganz bewusst zu erleben und möglichst viele kleine bewusste Weiterwanderzyklen einzuflechten. Also, zuerst die Türe schließen und nun suchen.

Da! Was für ein Geräusch! Ganz alltäglich eben. Aber alltäglich ist nichts. Alles hat neue Aspekte, jeden Tag neu, immer wieder. Noch mal: Tür auf, Tür zu – nur so zum Spaß. Verbindungen lösen – Verbindungen herstellen – das ist das Leben – genau wie mit... Da kommt die Nachbarin und grinst und schaut etwas verwundert drein, was du so mit der Haustür zu schaffen hast – du denkst automatisch einen rational-folgerichtigen Gedanken von den olivgrünen Schuhen unter der Hecke und dir kommt das Bild, du denkst die Situation innerlich bis zur Party und wieder zurück zur Nachbarin vor dir – blitzschnell.

Bist du cool, sagst du »Guten Morgen« und vergisst besser, dass dir diese Freundlichkeit deinen ersten bewussten Weiterwanderzyklus gekostet hat. Doch dein Gehirn weiß Bescheid und ihr beide könnt stolz sein, dass ihr nicht explodiert seid und damit euch den halben Ausbildungstag versaut hättet – nur wegen dieser Sache in der Hecke...

Du lässt dich nicht mehr durch Unbedachtsamkeiten oder Lieblosigkeiten deiner Mitmenschen von deiner persönlichen Bewusstwanderung abbringen. Weiter geht’s.

Du siehst deine Katze Bärbel-Börne und weil die euch Drei-Einen (Dein Bewusstsein, dein Nervensystem und deinen restlichen Körper inkl. Umgebung) schon kennt, lässt sie sich mit euch auf eine Schmusewanderung ein. Du knuffst sie ganz bewusst im Nacken und dann vorn an der Brust, wo sie soooo schmuselig und weich ist. Du betrachtest, berührst, beknuffst und erlebst ihr weiches, schwarz schimmerndes Fell und hörst dir ihr wohliges Schnurren und Brummeln an... irgendwann wird ihr das dann genug Nähe und schon ist Bärbel-Börne verschwunden. Auch ein Momentwanderer – manchmal etwas rücksichtslos aber wenigstens ehrlich. Und ihr war eben nicht mehr nach Schmusen. Wenn sie geht und dich allein lässt, dann hast du auch einen guten Grund weiterzuwandern. Du schlenderst meinetwegen die Strasse runter zum Hauptbahnhof und versuchst dabei ganz bewusst alle Details wegzulassen. Mit schweifendem Blick suchst du dir einen ruhigen Fleck.

Das große dunkle Bahnhofsdach bietet sich an und ungefähr dahin heftest du deinen Blick und versuchst den Gesamteindruck der Häuserfronten zu erfassen, nur die groben Linienzüge. Das macht dir eine gute emotional-assoziative Stimmung, ist etwas Neues und du genießt diese Dimension der Vielfalt. Oben der Himmel und dann die zwei Häuserfluchten bis vor zum Bahnhof. Das soll also ein Stück Weg sein. Ein Stück Weg durch die Vielfalt. Millionen kleine Dinge, Menschen und Autos, Tauben, Gerüche und Geräusche und... alles irgendwo vor dir und um dich herum. Das kennst du ja eigentlich schon fast alles – fällt dir da gerade ein: „In den letzten Jahren kam alles irgendwann mal dran. Tiere im Zoo, Zahlen in der Schule und Sportarten habe ich auch schon bestimmt fünf ausprobiert und die Männer kenne ich auch mittlerweile. Kinder... wundervolle Momentindianer... Also, eigentlich kenn ich mich aus... (und dabei siehst du die Bahnhofsuhr) ...na alter Schwede die Dreiviertelstunde ist schon weg!“

Du drehst dich um und läufst nach Hause, siehst im Vorbeigehen in die Ladenfenster von X&Y und im Augenwinkel flüchtig die Beine der Schaufensterpuppen. Eine schlechte emotional-assoziative Stimmung kriecht gerade von deiner Schaltzentrale in die Halsgegend, wo sie sich kloßartig bemerkbar macht und du denkst an die olivgrünen Schuhe von deinem Fr... doch da kommt die Reisetheke mit all den bunten Urlaubsangeboten »vorbei« und dein Nervensystem zaubert dir noch einen bittersüßen, emotional-assoziativen Gedanken auf die Herzgegend. Der ist dir bekannt: Die kleine Tochter der Sehnsucht nach Freiheit... Fernweh. Im Vorbeilaufen wird dir bewusst, dass Fernweh eigentlich kein direkt schlechter emotional-assoziativer Gedanken ist, besser jedenfalls als die »emotional-assoziative Kloßhalsgeschichte« vorher. Und man soll ja seinem Herzen folgen und seinen besseren emotional-assoziativen Gedanken.

Heut’ Abend gehst du jedenfalls mit Bärbel-Börne im Wohnzimmer tanzen und spielen, das Töchterchen ist auf Klassenfahrt an der See und dein Freund kommt erst in zwei Tagen von seiner Geschäftsreise zurück. Tanzen - das wird eine Erlebniswanderung vom feinsten und du nimmst die Türklinke in die Hand... du hörst das Geräusch der Tür... und dich sprechen: „ Ach du lieber Himmel! Wieder kein einziger, klitzekleiner, bewusster Weiterwanderzyklus!“

Nachbereitungsphase: Aber nun hast du noch fünf Minuten, um deine heutige Erlebniswanderung mit irgendwas zu verbinden. Sie in Beziehung zu setzen zu anderen Erlebnissen. Vielleicht machst du das noch besser heute Abend nach dem Tanzen – da hast du mehr Zeit und bist vielleicht ungestörter und hast mehr Abstand und schläfst obendrein ein, aussöhnen inklusive.

 

So kann eine kurze bewusste klassische Erlebniswanderung vor der Haustür aussehen. Die Ausbildung ist also kein Kinkerlitzchen. Die Ausbildung kann heftige Probleme aufwerfen. Aber dein Leben wird mit der Zeit ehrlicher, wirklichkeitsnaher, sauberer und zunehmend friedlicher. Du wirst auf deiner bewussten Wanderung durch die Umgebung viele eigene Probleme entdecken, die noch in den Kinderschuhen stecken. Sie wären im Verborgenen unerkannt gewachsen, um dich in der nahen Zukunft oder im Alter zu erschlagen und dich deiner Freiheit zu berauben. So darfst du sie jetzt aus dem Weg schnipsen und aussöhnen, damit sie später nicht unverrückbar vor deinen Füssen stehen und dich so am Weiterwandern und Weiterleben hintern können. Hier gilt es sauberzumachen um deiner Freiheit und dein Leben willen. Im Alter wird das alles nicht einfacher.

Das du den kleinen bewussten Weiterwanderzyklus am Anfang kaum fertig bekommst, ist kein Problem. Bald merkst du, dass es ein erstes kleines Kunststückchen ist, unter Menschen im laufenden Erlebnis auch noch »bewusst zyklisieren« zu können. (Am besten übst du erst einmal, wenn du alleine bist in einer ganz stillen Ecke, mit ganz wenig Verbindungsänderungen in der Zimmereckenumgebung, oder unter der Dusche...)

 

Selbst loszulegen, loszuwandern, die Alltagsvielfalt zu suchen, zu erleben und auszusöhnen – darum geht es nun für dich und dein Nervensystem!