DAS BEWUSSTWANDERN-PROJEKT:    rational    emotional    ganzheitlich   

S. 163 - 171 Zweite Regel der Aussöhnung: Natürliches Aussöhnen = Meditation

Zweite Regel der Aussöhnung:

Natürliches Aussöhnen = Meditation

 

Zweite Regel der Aussöhnung: Aktives bewusstes Erleben verpflichtet auch zur bewussten, aktiven Verarbeitung bzw. bewussten, aktiven Aussöhnung.

 

Bewusstwandern heißt auch, dass du dich bewusst vielen verschiedenen Umweltsituationen aussetzt und in deinem Nervensystem möglichst viele rational-folgerichtige Gedanken(gänge) (mit)gehst, bewusste emotional-assoziative Gedanken entwickelst, dich von Stimmungen anstecken lässt. Heute gibt es für dein Nervensystem neue »Nüsse der Vielfalt zu knacken«. Bis auf einige der letzten hundert Jahre, bot in den letzten ca. 5 Millionen Jahren der Schlaf und auch das Wandern und Herumstreifen durch die naturnahe Landschaft einen optimalen Rundumaussöhnungsservice. Nicht nur das der Stuhlgang und der Kreislauf in Bewegung blieb, nein auch der Kopf wurde beim Wandern fast von allein von der Vielfalt und der Veränderung beim Wandern »freigeblasen«.

Noch heute empfiehlt sich tägliche Bewegung. Verwechsle das ursprüngliche Wandern jedoch nicht mit herkömmlichem leistungs- oder erlebnisorientierten Wandern. Im ursprünglichen Wanderstil streifst du allein oder mit deinen Freunden umher wie eine Gruppe Buschmannfrauen und Buschmänner in Afrika. Ziel ist = genüsslich leben. Was wird, das wird und das nötige, wird auch zu seiner Zeit entstehen oder getan (Spiele, Musik, Gespräche, Sammeln, Essen, Trinken, Ausruhen, Weiterziehen, Schlafen usw.).

Ursprüngliche Wanderungen in mehr oder weniger naturnahen Landschaften oder Wildnisgebieten der Welt, aber auch vor deiner Haustür hier in Europa, können dir deutlich zeigen, wie wirksam Bewegungsfreiheit und Schlaffreiheit (siehe oben) im Sinne der Ausbildung sind. Vielleicht kannst du ja einige Erfahrungen, Erkenntnisse oder gar das Lebensgefühl von solchen Wanderungen mit in den normalen Stadt-, Berufs-, Familienalltag bringen.

 

Vergiss im Alltag nicht: Du bist als Jetztmensch einer neuen Qualität von neuronalen Genussdrogen ausgesetzt. Es gibt heute Erlebnisse, die du bewusst Aussöhnen musst.

 

Oft sind es Umweltsituationen, die von anderen Menschen zweckdienlich und somit ganz bewusst beeinflusst und gestaltet worden sind oder werden. Manch eine Genussdroge ist so clever produziert, dass sie sich in die letzen Windungen deines Hirns frisst, ob du nun willst oder nicht, du musst hingucken, hören oder riechen. Es gibt heute genug Situationen die dein Nervensystem und deine Persönlichkeit manipulieren können. Einige vom Menschen gemachte Beiträge zur Vielfalt packen dich an deinen natürlichen »Schwachstelle«, spielen mit deinen Ängsten, deiner Lust, deinen Wünschen und Sehnsüchten. Denk nur mal an einen Fernsehabend, die Werbung, Lustspiel- oder Horror- oder Gewaltfilme, Nachrichten, Kriegsberichte, Pornos, DVD-Geschichten, das Parfüm deiner Freundin, denke an die Geschmacksverstärker und Aromen im Knabberspaß vor euch auf dem Tisch.

Die Vielfalt wird vom Menschen vervielfacht und potenziert, sie scheint zu explodieren und stürmt immer intensiver auf dich ein. Du lebst nicht mehr nur in einer Urhorde von 20-100 Mann.

Dein Nervensystem muss auch den Hunger in Afrika, das rustikale Festessen in der musealen Ritterburg, das Erdbeben in der Türkei, die Megadisco, den Bürgerkrieg in Somalia, den Börsenbericht, die letzte Krebsstatistik und den Suizid von Lehrer Lämpel und die Bücherreihen der Bibliothek, die Todesstrafe nach Fehlurteil, die Europapolitik und die Bundespolitik, dein Muttermal, die Eiscremewerbung, die Kommunalpolitik und das alltägliche Familienleben, den Urlaub an der See und das Konzert mit 50 000 Personen, den Einkauf und die vielen süßen Kinderfragen, die Renovierung, den letzten Kneipenabend, den letzen Bauabschnitt auf Arbeit, die Fahrtkostenabrechnung, die Steuererklärung, die Vielfalt der Spielzeugkiste deines Nachwuchses, das Versöhnungsgeschenk für den Nachbarn, das letzte Buch, die TV-Programmzeitschrift, die Kirchenbesuche, die gefühlsheftigen Körperwelten mit Freund oder Freundin gestern Abend und noch 1000 unwichtige und wichtige, kleine und große, nahe und ferne Umweltreize, Dinge, Genussdrogen, Wirkeinheiten mehr – verarbeiten bzw. wieder für dich aussöhnen.

Dieser gesteigerten Häufigkeit der bewusst oder unbewusst erlebten Situationen ist der Schlaf oft nicht mehr ausreichend gewachsen. Hier solltest du auch bewusst und aktiv die Schutz-, Aussöhnungs- bzw. Verarbeitungsfunktion des Schlafs während der Ausbildung unterstützen, sonst kommt es zu Schlaflosigkeit, Reizüberflutung, Nervosität, Existenzängsten und Sinnkrisen, wo gar keine nötig gewesen wären.

Grundlegendes über die Aussöhnung durch Meditation

In erster Linie bzw. Ebene heißt Meditation im Sinne der Ausbildung nichts anderes, als bewusstes Aussöhnen rational-folgerichtiger Gedanken(gänge) und emotional-assoziativer Gedanken durch bewusstes Nachdenken bzw. bewusstes Nachfühlen. Neben dem Schlaf und der Aussöhnhandlung ist die Meditation eine der drei grundlegenden Möglichkeiten der Aussöhnung.

Du kannst folgerichtig-rational denkend zwischen rational-folgerichtiger Meditation und emotional-assoziativer Meditation unterscheiden. Du kannst also rational-folgerichtige Gedanken nachdenken und emotional-assoziative Gedanken nachdenken und in deine Vorstellungswelt befriedigend und stimmig einordnen. Du kannst rational-folgerichtig nachdenken und emotional-assoziativ nachdenken bzw. aussöhnen. Das Nachdenken und das Nachfühlen sind also auch wirkungsvolle Taten im Sinne der wirkungsvollen Aussöhnung deiner Nervensystemaktivitäten.

Wenn du dir das ganzheitlich-freien Denken erschlossen hast, ist es übrigens dann nicht mehr sinnvoll, von bewusstem ganzheitlich-freien Nachdenken zu sprechen, denn die ganzheitlich-freie Meditation und das ganzheitlich-freie Erlebnis treffen sich im Moment. Du kannst jedoch in diesem Sinne eine morgendliche Traumerinnerung als einen zumindest nachträglich erinnerten halbbewussten, ganzheitlich-freien Traumgedanken interpretieren.

Erlebnisse emotional-assoziativ nachzudenken bzw. auszusöhnen fällt vielen Menschen schon erheblich schwerer als Erlebnisse folgerichtig-rational nachzudenken bzw. auszusöhnen. Sich emotional-assoziativ oder rational-folgerichtig zu erinnern und auszusöhnen, ist oft nicht einfach. Doch mit einiger Übung sind auch emotional-assoziative Erlebnisse bewusster erlebbar, nachvollziehbar und aussöhnbar.

 

Auf der Grundlage der Meditation kannst du natürlich auch in der Gegenwart bewusst handeln und aussöhnen. Voraussetzung ist dann natürlich die Existenz von wirkungsvollen Verbindungen zwischen deinem Nervensystem, deiner Körpereinheit und deiner Umgebung. So kannst du unter Umständen und je nach Antrieb und Bedarf auch nach und während der Meditation aus dir heraus auf deine Umgebung einwirken. Das bedeutet praktisch: Dein Nervensystem muss wirkungsvoll mit deiner Körpereinheit und deine Körpereinheit wirkungsvoll mit deiner Umgebung verbunden sein. Nun kann ein »dahermeditierter« rational-folgerichtiger Gedanke oder emotional-assoziativer Gedanke bzw. eine Entscheidung oder Entschluss bis in die Umgebung hinein wirksam werden. Später wirst du erleben können, dass bewusstes ganzheitlich-freies Denken sehr direkt und unmittelbar wirken kann.

 

Meditation ist »künstlich träumen«, »aktiv träumen« oder »meditativ träumen«. Bis zu einem bestimmten ganzheitlich-freien Punkt ist die Meditation ein weitgehend umweltreiz-unabhängig, rational-folgerichtiges Nachdenken bzw. ein weitgehend umweltreiz-unabhängiges, emotional-assoziatives Nachdenken. Als Meditationsanfänger schützt du dich während der Meditation möglichst vor unmittelbaren, ablenkenden Einwirkungen deiner Umgebung. Das geht besonders gut kurz vor dem Einschlafen. Ein ruhiges, gemütliches Plätzchen gilt es für den Anfang aufzusuchen. Dort gibst du dich (d)einer inneren Vorstellungswelt deines Nervensystems hin. Dort kannst du dann ungestört die Erlebnisse des Tages nachdenken, nachfühlen, ordnen, Standpunkte entwickeln.

Du schaffst dir für und während deiner Meditation einen Zeit(frei)raum im Lebensmoment. In diesem Zeit(frei)raum kannst du dich aussöhnen. Hier kannst du das (Nach)denken bzw. (Nach)fühlen praktizieren und zwar anfangs langsam und folgerichtig-rational nachdenkend & positiv aussöhnend, später zunehmend effektiver emotional-assoziativ nachdenkend & liebevoll aussöhnend.

Du veränderst während der Meditation (aktivierst/ deaktivierst) bewusst mit Hilfe deines Rationalwerkzeugs, Emotionalwerkzeugs und Metawerkzeugs Nervenzellen oder Zellbereiche bzw. neuronalen Wirkeinheiten. Du veränderst also bewusst erst einmal dein Nervensystem selber während der Meditation!

Ziel dieser Veränderungen sollte die positive, liebevolle Aussöhnung (Befreiung) deiner reflektierten folgerichtigen-rationalen Gedankeninhalte und emotional-assoziativen Gedankeninhalte sein.

Bei dieser bewussten Veränderung deines Nervensystems veränderst du jedoch nicht nur dich im Sinne der Ausbildung, sondern auch deine mit dir wirkungsvoll in Verbindung stehende Körpereinheit, deine Umgebung und die Alltagssituation im Umgebungssystem. So gesehen ist Meditation weder Zauberei noch eine besondere Gabe, im Gegenteil, eher etwas ganz Natürliches im alltäglichen Leben des bewusst reflektierenden, nachdenkenden und nachfühlenden Menschen. Wandern und das Bewegen, das Arbeiten, das Singen und das Musizieren usw. können so ihr besonderes Erlebnis in bewussten Meditationen bis in den Moment hinein haben. Dein Ausbildungsleben kann so zur meditativen Trainingseinheit werden. Wo du auch hingehst, du bist bereits da, erlebend aber auch immer reflektierend, nachdenkend, meditierend, aussöhnend.

Theoretisch und praktisch kannst du eine ganze Menge mit deinen bewussten rational-folgerichtigen und emotional-assoziativen Gedanken steuern und verändern, alles nur eine Frage wirkungsvoller Verbindungen zwischen aktiven Bereichen deines Nervensystems und den Rest der Welt und eine Frage der Geduld, dieses meditative Verändern zu lernen. Meditationsmomente können dir im Erlebnis ein neues Selbstbild und eine neue Selbstwahrnehmung entstehen lassen.

Praktischer Weise unterscheidet die Schule der Aussöhnung zwischen drei Meditationsebenen bzw. Steuerebenen. Diese drei Ebenen führen zu einer ganzheitlicheren Sicht auf die Praxis der Meditation und der Aussöhnung.

 

Meditationsebene 1: Nervensystemmeditation bedeutet bewusste Veränderung deines Nervensystems durch das rational-folgerichtige Nachdenken bzw. das emotional-assoziative Nachdenken. Zum Beispiel: nachdenken, nachfühlen, erinnern, planen, durchdenken, fantasieren, sich etwas vorstellen, geistig schöpferisch arbeiten, sich etwas ausmalen;

 

Meditationsebene 2: Körpermeditation bedeutet bewusste Veränderung deiner Körpereinheit auf der Grundlage von Meditationsebene 1. Zum Beispiel: die bewusste Veränderung einzelner oder mehrerer Körperorgane (bewusste Steuerung der Muskulatur, Atmung, bewusste Steuerung der Darmtätigkeit, bewusste Steuerung des Pulsschlages, bewusste Steuerung der Exkretion bzw. Drüsentätigkeit, bewusste Steuerung der Muskeltätigkeit, bewusste Entspannung, bewusste Selbstheilung)

 

Meditationsebene 3: Umgebungsmeditation bedeutet Veränderung deiner Umgebung bzw. ihrer Wirkeinheiten auf der Grundlage von Meditationsebene 1 und 2. Zum Beispiel: bewusste Veränderung von Wirkeinheiten der Umgebung (Veränderung von Gegenständen, Arbeiten, künstlerisches Gestalten, Gestaltung und Veränderung von Gesprächen und Alltagssituationen)

 

Wie du dir nun vielleicht vorstellen kannst, ist Meditation ein weites Feld und so variantenreich wie der Mensch und seine Umgebung selbst. Viel hängt dabei vom Ziel des Meditierenden ab. Dein Ziel ist auf dem zweiten Ausbildungsabschnitt durch die Vielfalt das möglichst positive Erleben und die möglichst positive und liebevolle Aussöhnung dieser Erlebnisvielfalt. Es soll hier erst einmal um die Meditationsebene 1 gehen.

 

In Folgendem sei dir ein Meditationsklassiker beschrieben, der dir im zweiten Ausbildungsabschnitt sicherlich bei der Aussöhnung von Erlebnissen nützlich sein kann. Beachte: Der im Rahmen der Lebendigen Wanderschule gebrauchte Meditationsbegriff ist also nicht mit dem enger gefassten Meditationsbegriff zu verwechseln, der beispielsweise im Bereich der Entspannungsverfahren existiert.

Nervensystemmeditation (Ebene 1) Anhand eines Beispiels

Du kannst dir das Prinzip dieses Meditationsklassikers in etwa wie folgt vorstellen. Du erzeugst bewusst eine Art Traumzustand. In diesem bewusst erzeugten Zustand unterstützt du aktiv die sonst weitgehend unbewusste Erlebnisverarbeitung bzw. Aussöhnung während des normalen Schlafens, denn du beschäftigst dich in diesem Zustand noch einmal bewusst mit deinen rational-folgerichtigen bzw. emotional-assoziativen Gedanken(Inhalten). Während der Meditation versuchst du diese bewussten Gedankeninhalte mit früheren Erlebnissen, Erinnerungen, Erfahrungen bzw. mir deiner Vorstellungswelt in Verbindung zu bringen. Du versuchst dieses »in Verbindung bringen« rational-folgerichtig und zunehmend auch emotional-assoziativ. Du versuchst dich also mit Hilfe deines Rationalwerkzeuges und deines Emotionalwerkzeuges meditativ (bewusst nachdenkend) auszusöhnen.

 

Du versuchst Erlebnisse in deine Vorstellungswelt möglichst harmonisch einzubinden.

 

Wenn du mit Meditation noch keine Erfahrungen verbindest, solltest du dir die Zeit für deine ersten Meditationsversuche ganz bewusst nehmen. Bald kann und sollte deine bewusste Aussöhnung deine Alltagssituationen begleiten. Nicht nur dein Schlafverhalten, auch deine Nervensystemmeditation wird bewusster bzw. effektiver und kann bald im Alltagsgeschehen »mithalten« und wirksamer werden. Du wirst bald bemerken, dass du automatisch »aussöhnend mitdenkst«, dir zumindest das Aussöhnen wichtiger wird. Wenn du im Alltag bzw. bei deinen Bewusstwanderungen von Moment zu Moment auch bewusst aussöhnend lebst, dann wirst du das dritte Buch viel verständnisvoller lesen können.

Die Nervensystemmeditation kannst du als Anfänger unterteilen:

Meditationsvorbereitung (Nervensystemaufwärmphase);

Aussöhnung (Verbindungsphase);

Pause bzw. Schlaf und wenn nötig die Wiederholung dieser Meditation;

 

1. Meditationsvorbereitung (Nervensystemaufwärmphase):

Beispiel: »Heimkommen an deinen Strand«.

Prinz: Ich suche mir als Meditationsanfänger ein angenehmes, ruhiges, sicheres Plätzchen und mache es meiner Körpereinheit bequem. Ich kann mich auf den Rücken legen und lasse die Hände locker auf dem Bauch liegen. Mir sollte nichts schmerzen, drücken, kneifen, jucken oder knurren. Dann atme ich 10-20-Mal bewusst durch und schließe dabei die Augen.

Ich achte darauf, dass mein Atem allmählich ruhiger und gleichmäßiger wird. Zwischen Ein- und Ausatmen lasse ich bewusst einige Sekunden verstreichen. Ich versuche die Atmung, den Sauerstoff zu genießen und die Luft stetig tiefer in die Lungen hineinströmen zu lassen.

Ich stell mir vor, wie der Sauerstoff gebunden wird und unzähligen Zellen meines Körpers wie ein Lebenselixier zufließt und dann über die Zellatmung meine Lebensgeister und meine Lebensenergie freisetzt... Ich stelle mir vor wie Elektronen, Atome, Moleküle... vor Millionen von Jahren immer und immer wieder durch die Körper meiner Vorfahren wanderten... immer wieder aus den Blattporen der Pflanzen in die Luft drängen, sich in und über den skandinavischen, kanadischen, mittelamerikanischen, russischen... Waldländern aufhalten... aufsteigen über dem sonnendurchwärmten Boden und Blattwerk und von sich selbst im Wind durchmischt werden... Ich stell mir vor wie meine Körpereinheit an Nebeltagen von Wasserdampf umfangen wird... wie sich Kreidefelsen im Meerwasser lösen... irgendwann CO2 in die Atmosphäre entweicht... oder wie heiße Gesteine in die Atmosphäre geschleudert werden... oder wie sich auf dem Meeresboden Muschelschalen über Muschelschalen türmen... in den Milliarden von Bodenporen kleine Tropfen ruhen...

 

Nun stellst du dir ein alles umfassendes Meer vor. Es ist das »Meer des Lebens, das Meer der Vielfalt und Veränderung«, mit kleinen Quietschentchen, Stoppelfeldern, Malstiften, Gitarren, Häusern klein und groß, Autos, Sternen, Lampions, gebrauchten Taschentüchern, ein altes Sofa kommt vorbei, die Mütze deines Onkels mit samt dem Hasenstall und dem Misthaufen, einige Müllkippen strudeln vorüber, der kleine Klaus und sein Nuckel, Schiffe, Pflanzen, ein Faultier mit einem bunten Kennypflaster am kleinen Faultierfinger, es hat sich an die Mufu-Küchenmaschine geklammert – doch es schaut so geschmeidig und gelassen wie du auf die Tausend Dinge, die dich jeden Tag umgeben und nun mit dir im Meer der Vielfalt schwimmen und schweben. Sie werden von den Wellen verwirbelt, vermengen und verbinden sich zu größeren Wirkeinheiten, um bald darauf wie Plankton in die unendlichen, schwarzen Tiefen des Meeres hinabzuschweben. All die tausend Dinge – sie verschwimmen langsam in ihrer Vielfalt.

Sie werden zu einem Meer. Grünlich bis dunkelschwärzlich, auch blau. Lebhaft schimmert das Wasser nun und veränderlich wogen die Elemente der Vielfalt, Gedankengänge schlängeln sich vorbei. Mit jedem bewussten Atemzug kommst du der Wasseroberfläche näher, steigst mit jedem Atemzug empor aus den dunklen Tiefen des Alltags und der Vielfalt, bis dein Kopf das Wasser durchstößt und du in einen weiten strahlenden Himmel schaust – nur ein paar Pusteblumen, ein belegtes Brötchen, drei Knollen Topinambur, bunte Gitarrenplättchen und Glimmerkindermurmeln rinnen dir noch vom Kopf ins Meer der Vielfalt zurück.

Ein sonniger Tag, die Wellen wild und du siehst einen Strand, wie er nur in deiner jetzigen Vorstellung existieren kann, genau so wie du ihn dir jetzt vorstellst, so perfekt ist er auch. Von mir aus mit allem, was dazugehört. Am besten, du machst dir gar kein Bild, sondern lässt dein wohliges Zuhausegefühl gestalten, der Rest wird perfekt.

Du lässt dich von den Wellen der Vielfalt an den Strand heben, du streckst die Arme und Beine von dir wie ein Gestrandeter es eben tut, wenn er für den Moment ein neues Leben bekommen hat und du bleibst mit dem Rücken im weichen warmen Sand oder der stabilen Seitenlage liegen und entspannst alles, was du deine Körpereinheit nennst. In diesem Moment bist du nur »zu Hause – an deinem Strand«. Mögen die Wellen der Vielfalt rauschen und schäumen... Strand, Strand, Strand und nochmals oberfetter, friedlicher, liebevoller, geschmeidiger, echter Strand – solange du willst.

 

Prinz: Es empfiehlt sich, meinen Strand weitestgehend gedankenfrei und ausgesöhnt zu belassen und ihn erst recht nicht mit irgendwelchen »folgerichtig-rationalen Vielfaltsmüll« oder Ideologien zu verschmutzen. Finde ich übrigens etwas Derartiges herumliegen und vor sich hindenken, dann schmeiße ich den verführerischen Gedankengang gleich wieder ins Wasser, wo er sich fröhlich mit der Vielfalt vereinigen und ausschlingeln kann! Auf einem sauberen Strandzuhause fällt einem am besten auf, was ganz aktuell der Aussöhnung bedarf, was einem noch durch den Kopf geht, wie weit die Stimmung noch der Umstimmung auf ein vertrauteres Zuhausegefühl bedarf.

 

Diese imaginäre Auftauch-, Schwimm- und Strandaktion ist eine Aufwärmübung für dein Nervensystem und seine neuronalen Wirkeinheiten und zugleich Entspannungsübung für deine Körpereinheit. Mit der Zeit lernst du dein »breites Strandzuhausegefühl« besser kennen oder entwickelst es eben ganz neu. Du kennst dich besser mit deinem Seelenfrieden aus, hast sogar ein Bild vor Augen, dein Innerland beginnt zu leben! Du kannst dir natürlich auch eine andere Geschichte, ein anderes Gleichnis vorstellen. Wie beim autogenen Training wirst du dann nach einer Gewöhnungsphase immer schneller Entspannung und Einstimmung zu weiterer Meditation finden. Bist du mit deinem Leben im Moment zufrieden, dann wird dir bestimmt nicht mehr langweilig. Du kannst nun jeder Zeit in deinem Innerland wandern und fliegen, neue Gegenden erkunden und ausruhen... von wegen Träumereien, die Stärkung deiner Vorstellungskraft kann für dich und andere noch erstaunliches ans Licht bringen! Und die Zeit ist besser genutzt als der lähmende allabendliche Blick in die Zimmerecke (TV) vieler Pseudorealisten. Wer die menschliche Traumfähigkeit, die Fantasie und innerlich freie Kreativität beleidigt, der hat vergessen, dass alle Alltagserfindungen und Konsumgüter auf diese wunderbaren Fähigkeiten des menschlichen Nervensystems zurückzuführen sind.

 

2. Aussöhnung (Verbindungsphase):

Beispiel: Erlebnisse in »das Meer der Vielfalt« einbinden.

Prinz: Habe ich mich so im Innerland, an Meer und Strand entspannt und aufgewärmt, beginne ich zu lauschen, zu warten. Bin ich noch nicht ganz ausgesöhnt, wird bald ein Gedankengang entstehen, eine Sehnsucht oder eine Emotion aufkommen. Mein Nervensystem zeigt mir so von allein wo ich dann im Meer der Vielfalt erneut »eingetaucht werde« und mich aussöhnen sollte und muss, um wieder gedankenfrei an meinen Zuhausestrand zu gelangen. Ich schwimme, tauche verspielt wie ein Delfin in Richtung jeweiliges Erlebnis, erinnere mich an Gutes und weniger Gutes, Stimmiges und weniger Stimmiges, ich versuche die Lebenssituation, die mir in den Sinn kommen einzuordnen, zu verbinden, positiv zu bewerten, aus ihnen eine Lehre zu ziehen, in Frieden abzustreifen. Ich versuche meine Meditationsgedanken letztlich als Teil aller folgerichtig-rationalen Gedanken(gänge) und emotional-assoziativen Gedanken zu erkennen, die ich in meinem Leben denke und die meinem bewussten Leben in seiner Gesamtheit wertvoll sind, es zum Guten oder zum Schlechten ausmachen, das liegt zum großen Teil an der Art und Weise meiner Meditationen.

Hatte das Erlebnis zum Teil auch negative Aspekte oder war das Erlebnis undurchsichtig, vielschichtig, chaotisch, hatte ich teilweise einen vagen, unsicheren emotional-assoziativen Gedanken dabei? Dann tauche ich tief ein ins dunkle, tiefe Meer der Vielfalt oder schwimme weit hinaus. Ich nehme mir Zeit um Licht ins Erlebnisdunkel zu bekommen, versuche Neue Gedankengänge zu positiven und bekannten Gedankengängen zu finden. Ich kann deutliche, rational-folgerichtige Gegensätze erkennen und schlechte Erfahrungen in diesem Gegensatz zurücklassen, in dem ich auf der positiven Seite des Gegensatzes weiterdenke, aus meinem Erlebnis (auch negative Erlebnisse) Positives lerne.

Sind meine rational-folgerichtigen und emotional-assoziativen Gedanken neutral bis positiv-genüsslich, war das Erlebnis von erlesener Einfachheit oder schillernder Vielfalt, Klarheit und Leichtigkeit, dann meditiere ich mich näher an die lichtdurchflutete Meeresoberfläche und befinde mich näher an meinem Zuhausestrand. Dort kenne ich mich aus, hier lebt alles im Vertrauen, im freien Wandel, im Moment, ist es Gut so. Wenn nicht, dann bedarf es weiterer bewusster Aussöhnung.

 

Wesentlich sind die rational-folgerichtigen Gedankenverbindungen mit anderen rational-folgerichtigen Gedanken(gängen) bzw. Aspekten oder Wirkeinheiten der Vielfalt, Verbindungen mit anderen Erlebnissen und Erinnerungen. Versuche Erlebtes zu vergleichen, suche Parallelen, Gleichnisse, Gemeinsamkeiten, Unterschiede – eben Verbindungen und lass’ deine Gedanken dazu auch treiben. Meist kommen die Verbindungen von selbst. Du sollst weniger Gutes nicht als Gut hinstellen, vielmehr das weniger Gute in der Lehre für dich, in der Gegenüberstellung zum Besseren, also letztlich positiv für dich zurücklassen. So kannst du auch aus schlechter, böser, grausamer Erfahrung lernen, musst nicht verzweifeln in deinen Meditationen.

Alles, was du im Meer der Vielfalt während der Meditation mit deinem Erlebnis in Verbindung bringst, wird dir bei der Aussöhnung helfen können.

Mit der Zeit solltest du alle rational-folgerichtigen Gedankengänge transzendieren. Du solltest ihnen etwas positives, lehrreiches, liebevolles, (er)lebenswertes abgewinnen. Dazu kannst du bewusst dein MW gebrauchen. Versuche in der Verbindungsphase der Meditation immer wieder vom folgerichtig-rationalen Denken zum emotional-assoziativen Denken umzuschalten. Ertappst du dich, dass deine meditativen emotional-assoziativen Gedanken in immer verdrießlichere, immer trübere, düstere, dunklere, härtere, einfältigere Meeresgegenden und Meerestiefen abschweifen, dann versuche dich an der positiven, lichtdurchfluteten Oberfläche zu orientieren, rette dich an deinen Strand, aber wage später erneut einen Meditationsversuch. Versuche bei deinen Meditationen immer liebevoller zu empfinden, positiver zu assoziieren.

Lass dich am Anfang deiner Meditationsübungen ruhig auch mal bewusst etwas weiter ins Dunkel und die Tiefen rational-folgerichtig und emotional-assoziativ denken bzw. fühlen. So fällt dir am ehesten auf, dass oder wann du in die verkehrte Richtung denkst. Du kannst in der Meditation selbst erfahren und deutlicher erkennen, wo die Genusshöhen des Lebens zu finden sind.

Enden die bewussten Gedankengänge in bewussten Emotionen der Freiheit, Liebe und verspielten Einfachheit, in schönen und lichten dynamischen, weiterführenden Bildern? Oder sind es zwielichtige, dunkle, bedrohliche Gespinste, Grausamkeiten, Schneller-Höher-Weiter-Gedanken oder Verteidigungs- und Rechtfertigungsvariantenspiele, Sackgassen, Zwänge und Fänge, die du dir im Laufe der Meditation spinnst? Dann solltest du dich an weniger düsteren Meeresabschnitten und Erlebnisaspekten orientieren. Du solltest lernen und üben, wie du immer wieder zum »Lichte« denken und fühlen kannst. Spiele mit Vorstellungen und versuche herauszufinden, was besonders genüsslich und effektiv für dich ist und vielleicht warum. Versuche immer und immer wieder in diesem Sinne positiv zu meditieren. Glaube an die Kraft der kleinen Schritte, konzentriere dich auf die kleinen Türchen oder auf das eine kleine Türchen, glaube an die Kraft der Wiederholung, der Geduld, wenn dir die gute Welt des Zuhausestrandes unendlich weit weg scheint.

Du wirst merken, dass es dir bei geduldigem Bemühen irgendwann gelingen wird. Das sind dann kleine Heldentaten in deiner Vorstellungswelt und du darfst dich auch über kleine Meditationserfolge freuen.

Es geht auch in dieser scheinbaren Fantasiewelt während der Meditation um haargenau das Gleiche, um was es dir mit offenen Sinnen gehen sollte. Eine positive Lebenseinstellung von Moment zu Moment, die dich als grundsätzlich gleichberechtigt neben allen Lebensformen empfinden lässt und die alle Lebensformen als grundsätzlich gleichberechtigt neben dir (an)erkennt.

Weißt du dennoch bei deiner meditativen Gedankenreise durch das Meer der Vielfalt nicht, wo Oben und Unten, Gut und Böse ist, dann angele dir im Meer der Vielfalt die sieben Wanderweisheiten (siehe weiter unten) und vergiss nie, dass es grundsätzlich um das Leben im Moment und um die Freude daran geht. Mach mal Pause!

 

Es sollte am Ende der Verbindungsphase irgendwie eins zum anderen beim Meditieren kommen und am besten in einem guten, liebevollen emotional-assoziativen Gedanken münden. Es gilt auch im Meditationserlebnis die lebendige Stille, das Lebendige und die Freude im Lebensmoment zu finden.

Vielleicht ist es auch hilfreich für dich zu wissen, dass jeder Tropfen, jede Wirkeinheit, jedes Wort, jeder bewusste rational-folgerichtige und emotional-assoziative Gedanke im Meer der Vielfalt weder gut noch böse ist und weder der Genuss noch der Verdruss ein objektiv begründbares Vorrecht hat.

Im Sinne der kleinen Genussdrogenschule ist es immer an dir den Genussaspekten und der Lebensfreude den Vorzug zu geben, nicht indem du den Verdrussaspekt bekämpfen, sondern indem du den Genussaspekt vielmehr suchen, entdecken und fördern solltest. Hier in deiner Fantasiewelt, hast du alle Freiheit. Keinen Gedanken kannst du auf einen anderen Mitmenschen oder eine andere Wirkeinheit schieben. Beobachtest du deine Fantasie- und Meditationsgedanken, kannst du viel über dein derzeitiges Wesen und deinen Charakter und deine Verarbeitung deiner Erlebnisse lernen.

Wenn du dich an Genuss- und Freudeaspekten während deiner selbständigen Verbindungsarbeit orientierst, wird sich das dunkle Meer mit der Zeit in einen freundlichen, klaren, bis an seinem Grunde von deinem Licht durchfluteten, lebendigen Ozean verwandeln.

Am Ende der Meditation solltest du befriedigend ausgesöhnt sein, eine neue Einstellung, eine harmonische Erlebnis- und Vorstellungswelt gefunden haben. Am Ende der Meditation kann natürlich auch deine Entscheidung in Bezug auf eine sinnvolle und konkreten Aussöhnhandlung stehen (zur Aussöhnung notwenige Alltagshandlung, z.B. Gespräch, Weinen, Arbeit, Banküberweisung, Essen, Trinken). Diese Aussöhnhandlung ist dann als Bestandteil der Meditation im weitesten Sinne zu verstehen (Meditationsebene 2 und 3).

 

3. Pause bzw. Schlaf & Wiederholung dieser Meditation:

Nach getaner Aussöhnarbeit kannst du dich freuen und noch etwas im Meer der Vielfalt planschen, schlafen oder dich an deinem Strand von der Erlebnisverarbeiterei entspannen. Wenn du dir noch nicht befriedigend ausgesöhnt scheinst, kannst du ein Schläfchen wagen oder etwas wandern und es dann später erneut mit einer Meditationseinheit versuchen. Nach wenigen (Meditation – Schlaf/Tat – Meditation) »Durchläufen« bzw. Wiederholungen werden sich die meisten Erlebnisse im Meer der Vielfalt auflösen wie Butter in der Sonne.

 

Relativ gut ausgesöhnt bist du in der Lage während deiner Meditation auf Umgebungsveränderungen zu achten. Als alter Hase der Meditation und mit fortschreitender Ausbildung (also ganzheitlicher und bewusst mit der Vielfalt und ihrer Einheit ausgesöhnt) wirst du die Verschmelzung von Meditation und Traum genießen können. Dein »meditativer Schlaf« bekommt dann bewusste, kontrollierbare Aspekte, der meditative Schlaf ist leicht, erholsam und sehr interessant (siehe auch drittes Buch).

Du entdeckst im meditativen Schlaf eine neue, kaum in Worte zu fassende, wirkungsvolle Erlebniswelt, die immer deutlichere Beziehungen zu deiner momentanen Lebenssituation haben kann. Du kannst außergewöhnliche Erfahrungen machen, z.B. im Traum etwas Erleben und dann aufwachen und das im Traum erlebte genau so im Alltag mit offenen Augen und Sinnen erleben. Es kann dir auch passieren, dass du mit geschlossenen Augen während der Meditation auf deinem Fantasie-Strand einschläfst und dennoch in der Lage bist, dich bewusst aus dem »Strandschlaf« zu wecken und deine Meditation zu beenden.

Du kannst erleben, wie du während einer Meditation momentane Umweltereignisse recht sinnvoll verarbeiten kannst. Besonders deutlich kann dir dieser Aspekt bei einer Meditation in der Natur (z.B. im Wald oder auf einer Wiese) werden. Kannst du solche Verschmelzungsaspekte zwischen Schlaf, Meditation und unmittelbarem Umweltmoment beobachten und beobachtest du diesen Verschmelzungsaspekt über die Ausbildungszeit hinweg, dann können dir diese Beobachtungen einen Anhaltspunkt bieten, in wie weit deine Ausbildung ganzheitlich und frei im Alltagsmoment ist. Die Welt der Meditation und das menschliche Innerland haben weite Erlebnisräume und ein enormes Potential. Viele Erlebnisräume sind mit folgerichtig-rationalen Worten und Texten nicht ausreichend zu beschreiben, viele Möglichkeiten und Auswirkungen der menschlichen Vorstellungskraft werden noch nicht ernst genommen, wahrgenommen bzw. genutzt. Du darfst selbst entdecken. Im Sinne der Ausbildung wanderst du auf richtigen Wegen, solange du deine Meditationen als positiv und lebenswert für dich empfindest.

 

Prinz: Ich kann den Meditations-Schlaf-Zyklus (Meditation – Schlaf/Tat – Meditation) um den Schritt Bewegung im Sinne der ganzheitlichen Ausbildungswanderung erweitern. Nicht verkehrt ist eine möglichst naturnahe Umgebung, worin ich mehrere Stunden z.B. wandern kann.

Das grüne Blätterchaos eines Waldes kann sehr beruhigend auf mich wirken. Ich lasse mich einfach laufen, der Rest kommt mit der Zeit, z.B. auch besondere rational-folgerichtige und emotional-assoziative Gedanken, die der besonderen Aussöhnung bedürfen. Ich genieße dabei natürlich die Bewegung meiner Körpereinheit genauso wie die ganze Bewegung um mich herum auch.

 

Aktives Träumen oder Meditieren kann auf verschiedene Weise erfolgen. Wichtig ist erst einmal, dass es überhaupt bewusst erfolgt. Dass du lernst, rational-folgerichtige und emotional-assoziative Gedanken aktiv aus dir selber heraus zu entwickeln und die Freiheit und Wirkung deiner Vorstellungskraft dabei am eigenen Leibe erfährst. Bist du ein normaler Zeitgenosse, wirst du von allein versuchen, die Erlebnisse erst einmal schön ordentlich nach RW-Manier in deine Vorstellungswelt einzugliedern, folgerichtig-rational, einen Erlebnisaspekt nach dem anderen. Alles sollte schön logisch sein. Findest du eine Logiklücke, wirst du stutzig und dann versuchen, sie durch Vergleich mit anderen Erfahrungen, mit Hilfe von Frage- und Antwortspielen und anderen Detailinformationen zu schließen.

Du hast jedoch auch die Freiheit, eine Vorstellungswelt zu entwickeln, welche auch emotional-assoziative Gedanken beim Lückenschließen akzeptiert und alle Werte gleichberechtigt nebeneinander betrachtet. Du entdeckst und nutzt dann sozusagen die Logik der emotional-assoziativen Gedanken. Das spart in der Aussöhn- und Verarbeitungspraxis eine Menge folgerichtig-rationaler Denkarbeit und viel Detailsuche und Detailarbeit. Du kannst z.B. folgerichtig-rationale Gedankenlücken durch dein gewachsenes Vertrauen schließen. Ein Vertrauen und die Erfahrung, dass du mit deinem RW jede rational-folgerichtige Gedankenganglücke schließen kannst, wenn du nur willst! Über die Jahre hast du mit der RW-Arbeit Erfahrung und das Vertrauen gesammelt und bekommst mehr Mut zur EW-Arbeit. Du wirst gegenüber den folgerichtig-rationalen Gedankendetails und Gedankenschleifen gelassener und lernst auch in der Meditation einen effektiveren RW-Einsatz bzw. EW-Einsatz.

RW-Detailvorstellungen sind bei der Einordnung des Kontostandes in deine Vorstellungswelt und bei der Entscheidung nützlich, ob du heute oder erst in zwei Wochen einen Betrag überweisen solltest.

Danach achtest du aber wieder auf dein emotional-assoziatives Denken beim Bankbesuch und wenn alles friedlich scheint und langweilig in der Wartereihe am Schalter, spielst du meditativ in deiner Vorstellung mit dem Bankautomaten, zoomst dich durch den Kartenschlitz und denkst an deine bewussten emotional-assoziativen Gedanken bei der Arbeit im letzten Monat, lässt sie dir in ihrer Vielfalt durch den Kopf gehen und deinen Wert deiner Arbeit für dich persönlich dazu, jede nette Arbeitsituation, die Gespräche, die Situationsmelodien. Beispielsweise, wenn die Küchenomi in der Kantine mit dem leckeren Kuchenteller vorbei kommt und von ihrer Tochter erzählt. Jede genüssliche Arbeitsituation im Betrieb oder der Firma lässt du zu Geld werden und dir über tausend Ecken und Verbindungen wieder aus dem Bankautomaten in die Hand geben. Solange bis dein monatliches Genussgehalt ausgezahlt ist und du die Bank verlässt.

So wird der Erlebniswert deiner Arbeit zu einer fassbaren Zahl für dich. Dein Bezug zum Geld realistischer. Du freust dich über den geballten Genuss und enormen Wert deines 100 Euroscheins und weiter geht die Genussreise mit diesem Schein in der Tasche... durch andere Lebensbereiche und Erlebniswelten.

Die Tage wie Wein und Kerzenlicht mit Freundin Judy Moon, die Zeit danach, in welcher du den Demutstile ausprobiert hast und Judy Moon mit dir im siebenden Himmel schwebte. So gliederst du jede Erlebnissituation nach der anderen meditativ-verbindlich in deine Vorstellungswelt ein.

Ein andermal war es ein genüssliches Sommernachtsschwimmen mit Freunden unterm Augustvollmond... Nun, dann wirst du sowieso Probleme bekommen, diese Erlebnisse rein RW-mäßig, also folgerichtig-rational einzugliedern.

Es reicht, wenn die bewussten emotional-assoziativen Gedanken positiv waren. Der »Rest« ist verspielter Vorstellungsgenuss vor dem Einschlafen. Du arbeitest am besten bei deiner Nervensystemmeditation mit komplexeren Vorstellungen wie Bildern und Bildsequenzen, Melodien, die du versuchst emotional-assoziativ lebendig werden zu lassen. Lass deine Freundin und dich aus einer Musik, aus einer Stimmung heraus schweben, einander umwinden, drehen, tanzen... Dieser Abend war mehr als nur der folgerichtig-rationale Vorgang des Schwimmens im See oder das Bewegen zweier Körper, der Mondschein. Deine emotional-assoziativen Gedanken bzw. deine bewussten emotional-assoziativen Gedanken, deiner Erlebnisse können Grundlage einer sehr positiven Meditationswoche werden. Du kannst die Stimmung einer Situation mit anderen emotional-assoziativen Erlebnissituationen verbinden, daraus neuartige Vorstellungssequenzen und Traumbilder erzeugen.

Ein emotional-assoziativer Gedanke gibt Raum für viele rational-folgerichtige Gedanken. Bewusste emotional-assoziativen Gedanken können dich auch bis in deine Kindheit zurückbringen und Erinnerungen freilegen, die bisher vergessen schienen, dir bisher verborgen waren. Du kannst in der Erlebniswelt der Meditation an deiner ganz persönlichen »Kindheitserinnerungsausgrabungsstätte« deine eigenen Kindheitsschätze heben. So kannst du alte rational-folgerichtigen und emotional-assoziativen Gedanken erneut kennen lernen und wieder entdecken und in deine Vorstellungswelt einfügen und pflegen.

Im Alltagserlebnis bewusst auf deine unmittelbaren emotional-assoziativen Gedanken zu achten und sie als emotional-assoziative Gedanken ins Bewusstsein zu heben, auf die »Situationsmelodie«, auf die »Momentstimmung«, auf einen Erlebnisaspekt jenseits der folgerichtig-rationalen Gedanken zu achten und auf dieser Erlebnisgrundlage im Alltagsmoment zu meditieren – das ist der nächste Schritt einer genüsslichen Erlebnisverarbeitung und wesentlicher Schritt bei der Schulung der Emotionalwerkzeugarbeit.

Es ist eine bewusste Wanderung von den rational-folgerichtigen Gedanken zu den emotional-assoziativen Gedanken in den Alltagssituationen. Diese »Hin-und-wieder-zurück-Wanderung« ist in einem Buch kaum direkt zu vermitteln. Hier soll es reichen, ihre Existenz zu erwähnen und dich dadurch anzuregen, sie selbst zu entdecken. Leider und doch auch zum Glück taugen Worte wenig bei der Schilderung einer emotionsbetonten Meditation, bei der Schilderung einer emotionslastigen Erlebniswanderung, bei der Schilderung der emotional-assoziativen, meditativen Aussöhnung.

 

Achte bei der bewussten Aussöhnung durch Meditation darauf, ob du die rational-folgerichtigen bzw. emotional-assoziativen Gedanken(Inhalte) positiv oder negativ für dich erlebst! Sie sollten positiv werden bzw. letztendlich sein. Mach dir schöne & lichtvolle Gedanken! Das kann unter bestimmten Voraussetzungen harte Meditations- und Vorstellungsarbeit für dich sein. Tue diese Meditationsarbeit liebevoll und lass sie dir nicht zu schwer werden.