DAS BEWUSSTWANDERN-PROJEKT:    rational    emotional    ganzheitlich   

S. 137 - 138 Globale Genussdrogenstile

Globale Genussdrogenstile

Die Art und Weise, wie du dich mit Genussdrogen deiner Umgebung verbindest, kann sehr verschieden sein. In der Lebenspraxis gibt es drei unterschiedliche Lebenskonzepte oder Lebenseinstellungen beim Umgang mit Genussdrogen. Du kannst sie in heutiger Zeit auch im Alltag bei deinen Mitmenschen mehr oder weniger deutlich und konsequent ausgelebt beobachten. Bist du dir diesen drei grundlegenden Konzepten bewusst und probierst sie tatsächlich mal aus, hast du schon den halben Ausbildungsweg hinter dir. Sie können dir auch ganz praktisch bei der Stressbewältigung in deinem jetzigen Leben helfen. Hast du dich mit diesem Buch auf die Ausbildungswanderung begeben, wirst du die drei globalen Genussdrogenstils in deinem eigenen Leben während der kleinen klassischen Erlebniswanderungen (siehe zweites Buch) sicherlich wiederentdecken können.

 

Prinz: Als Bewusstwanderer versuche ich im Alltag alle drei globalen Genussstils erst während kurzer kleiner klassischen Erlebniswanderungen auszuleben. Beispielsweise kann ich die Genussdrogenstile bei einem Treffen mit Freunden oder zu Hause nach der Arbeit für die Dauer von einer Stunde ausprobieren. Später versuche ich die einzelnen Konzepte mehrere Tage bewusst umzusetzen, mit allen was dazugehört, vielleicht in meinem Urlaub. Unter diesem Bewusstwanderaspekt erlebe ich schon mal drei etwas längere, sehr anspruchsvolle kleine klassische Erlebniswanderungen.

 

Du kannst also deine Erlebniswanderungen grundsätzlich in den drei globalen Stils erleben und durchführen. Das gibt jeweils sehr unterschiedliche Eindrücke der gleichen Lebenssituationen, vor allem in Gesellschaft mit Menschen und bietet Variationsmöglichkeiten bei deinen Erlebniswanderungen.

Demutsstil

= sich bewusst in Situationen zurücklehnen; Veränderungen bewusst verfolgen; betont sich füllen und führen lassen

Im Demutsstil überlässt du fast alle Entscheidungen dem Lebensmoment und deinen Mitmenschen. Du feierst die Feste wie sie kommen und tanzt dabei meist bewusst in der zweiten Reihe. Wenn die Feste weniger nett sind, versuchst du die Situationen mit aller Toleranz zu ertragen. Du bist bewusst passiv und zurückhaltend und lässt dich lediglich mit deiner Umgebung treiben und minimierst die aktive, vorausgeplante Beeinflussung von bestehenden Verbindungen in deiner Umgebung. Du lebst stark momentorientiert und in bewusster Abhängigkeit von Umgebung und Mitmenschen. Du verbindest dich offen und ohne Widerstand mit den Genussdrogen, die dir auf deinem Weg vor die Füße fallen, oder dir angeboten werden. Du genießt sie so gut du kannst und trennst dich genauso widerstandslos wieder von ihnen. Du versuchst dein persönliches Verlangen zurück zu halten, du empfängst bereitwillig. Die Vielfalt und Veränderung deiner Umgebung, mit der du ständig verbunden bist, hält dich am Leben. Du (er)lebst eher nach dem Motto: Was ist, das ist und ich bin dabei und freue mich darüber so gut ich kann. Du agierst nur auf Aufforderung oder wenn die Situation lebensgefährlich wird. Du hörst zu, siehst zu, du fühlst und denkst mit, liebst mit, isst mit oder leidest mit, du wartest bis du aufgefordert wirst etwas zu tun. Du bist nicht trotzig, sondern versuchst beinahe willenlos den Genussaspekt im Demutstile zu finden.

Organisationsstil

= bewusst Situationen aktiv und führend gestalten; aus dir heraus verwirklichen; nach vorn denken und fühlen; betont kreativ und selbstverantwortlich leben

Du entwickelst fast alle rational-folgerichtigen und emotional-assoziativen Gedanken und Vorstellungen selbst. Du lebst kreativ und schöpferisch. Hier nimmst du fast alle Entscheidungen selbst in die Hand und organisierst dir deine Umgebung nach deinen Wünschen und nach allen Regeln der Managementkunst. Du setzt dir Ziele und planst deine Tage durch. Du bestimmst mit welchen Genussdrogen du dich wann, in welcher Art und Weise und Reihenfolge, wie oft verbindest. Du veränderst aktiv deiner momentane Umgebungssituation und natürlich damit auch die deiner Mitmenschen. Du bist bewusst der aktive Macher und organisierst dir deine Genussdrogen selbst. Du lässt dich also nicht treiben, sondern organisierst dir deinen Weg durch die Vielfalt und ihre Veränderung und wirst so selbst deutlich zur Ursache von Bewegung und Veränderung in deiner Umgebung. Wenn es sein muss, gehst du mit dem Kopf durch die Wand und veränderst für andere Mitmenschen Situationen und zwingst ihnen somit den Demutstile auf. Du lebst radikal und kompromisslos. Jede unvorhersehbare Veränderung der Vielfalt deiner Umgebung ist eher eine Störgröße in diesem Stil, in deiner Planung. Du (er)lebst eher eigenständig und zielorientiert und nach dem Motto: Was ist, das ist und was nicht ist oder fehlt, wird sich besorgt und sich zurechtorganisiert.

Kooperations- bzw. Momentsstil

= bewusst mit den Veränderungen und Mitmenschen zusammenwirken; aus dem Situationsfluss heraus leben, verändern und auch geniessen

Du lässt die Veränderungen und Genussdrogen und auch rational-folgerichtige und emotional-assoziative Gedanken auf dich zu kommen und verbindest dich nach besten Möglichkeiten mit ihnen aufmerksam und bewusst. Feierst sozusagen die Feste wie sie kommen und organisierst dir bewusst nur den groben überlebenswichtigen Erlebnisrahmen. Du lässt dich im Lebensmoment treiben, bis du immer deutlicher an eine natürliche Lebens-, Entscheidungs- oder Genussgrenze stößt oder deine zwischenmenschliche Gleichberechtigung gefährdet oder untergraben wird. Dann beginnst du wieder aktiv nach »offenen Türchen zu suchen«, kreativ und schöpferisch mit deiner Umgebung eine neue Richtung einzuschlagen, in dem du sie und dich selbst aktiv veränderst. Wenn du aber dabei zu ungeduldig, und egoistisch bzw. gewaltig veränderst, wird das deiner Lebensharmonie genau so unzuträglich sein, wie ein zu demütiges gebaren. Nimmst du wieder Ausgeglichenheit und Stimmigkeit um dich herum wahr, kannst du dich wieder zurücklehnen und dich weitertreiben lassen bzw. von der Vielfalt im Moment »verführen« lassen. Die aktiven Eingriffe in bestehende Verbindungen oder Verbindungsänderung deiner Umgebung dienen dazu, natürliche persönliche Verdruss-, Schmerz- und Überlebensgrenzen nicht überschreiten zu müssen. Du (er)lebst nach dem Motto: Du lebst einfach, zielorientiert und bewusst im Moment (ganzheitlich-freie Wahrnehmungs-, Denk- und Lebensweise), genießt momentnah und veränderst und organisierst nur über gemeinsame, miteinander gestaltete Veränderungsprozesse bzw. in einem Rückkopplungs- und Aussöhnungsprozess mit deiner Umgebung... geduldig.