DAS BEWUSSTWANDERN-PROJEKT:    rational    emotional    ganzheitlich   

S. 124 - 127 Natürliche Denkgrenzen erkennen & akzeptieren

Natürliche Denkgrenzen erkennen & akzeptieren!

Eine grundlegende natürliche Denkgrenze müssen wir akzeptieren lernen. Sie ergibt sich aus der schon weiter oben angesprochenen Unfähigkeit des Nervensystems. Es ist die Unfähigkeit, welche sich aus dem Verbindungs- und Entstehungsprinzip ergibt (siehe oben). Hier nur noch einmal die Kernaussage.

 

Ein Nervensystem kann keine alleinstehende bzw. verbindungslos existierende Wirkeinheit wahrnehmen bzw. denken, fühlen, erleben.

 

Vor allem muss diese grundsätzliche, natürliche Unfähigkeit in der folgerichtig-rationalen Forschung immer wieder bedacht und beachtet werden. Ein letztes Elementarteilchen oder eine ursächliche Struktur, ein Punkt der Materie kann nicht mit unserem Nervensystem gefunden oder nachgewiesen werden! Wir können so etwas Absolutes, Einsames nicht wirklich denken, denn unser folgerichtig-rationales Denken ist und kann nur gegenüberstellend sein. Letztlich können wir jede Wirkeinheit nur als Bestandteil der Vielfalt erkennen, nur in der Verbindung zur übrigen Vielfalt entdecken!

 

Aus einem anderen folgerichtig-rationalen Blickwinkel kann man die Ausbildung auch auf folgenden wesentlichen Aspekt reduzieren: Es geht darum, dass du dir selbst deine individuellen und die vier natürlichen Grenzbereiche der menschlichen Denkfähigkeiten bzw. die vier natürlichen Grenzbereiche deiner drei geistigen Werkzeuge im Alltag bewusst machst.

Du kannst lernen, diese vier natürlichen Denkgrenzbereiche durch bewusste und verspielte große MW-Arbeit und mit Hilfe der Vielfalt deiner Umgebung bzw. mit Hilfe der unmittelbaren Veränderungen deines Umgebungssystems beim Bewusstwandern zu überwinden. Individuelle Grenzen (z.B. durch ideologiebegrenztes Denken) werden immer innerhalb der natürlichen Grenzbereiche liegen und können eine freie, kleine und große MW-Arbeit beschränken oder unmöglich machen. Es ist wesentlich, dass du beim Bewusstwandern vier natürliche Grenzbereiche des Denkens kennenlernst und akzeptierst. Es ist der Grenzbereich des unbewussten bzw. halbbewussten Denkens und es sind die Grenzbereiche der drei bewusst einsetzbaren Funktionsebenen deines Gehirns:

  • Grenzen des unbewussten und halbbewussten Denkens (Grenzen der unbewussten RW, EW- und MW Arbeit);

  • Grenzen des folgerichtig-rationalen Denkens (Grenzen der bewussten RW-Arbeit);

  • Grenzen des emotional-assoziativen Denkvermögens (Grenzen der bewussten EW-Arbeit);

  • Grenzen des ganzheitlich-freien Denkvermögens (Grenzen der bewussten MW-Arbeit);

Es ergeben sich jenseits der unbewussten bzw. halbbewussten Denk- und Lebensweise, also beim bewussten Einsatz der drei Funktionsebenen die folgenden drei grundsätzlichen Denkgrenzen.

 

Die rationale / emotionale Denkgrenze: Du kannst nicht so einfach emotional-assoziative Gedanken mit deinem folgerichtig-rationalen Denkvermögen im Alltag ersetzen oder erlebbar machen, nachvollziehen bzw. nicht vollständig vermitteln. Bewusste emotional-assoziative Gedanken kannst du sozusagen nicht ausschließlich folgerichtig-rational denken und kommunizieren.

Versuchst du das mit viel Hingabe und Ausdauer wirst du um verständnisvolles Mitgefühl, Kunst, Musik, Mimik und Gestik, Körperkontakt, Statistik oder längere Kommunikationsmomente nicht herumkommen.

Vergleiche im Alltag das »Innenerlebnis« wenn du folgerichtig-rationale Gedanken(gänge) entwickelst oder nachvollziehst (z.B. Lesen, Rechnen, Reden) mit dem »Innenerlebnis« wenn du bewusst emotional-assoziative Gedanken verspürst (z.B. Liebe, Glück, Vorfreude, Sehnsucht). Der Vergleich ist nicht einfach, denn du hast es mit zwei, qualitativ unterschiedlichen Denkfähigkeiten zu tun. Folgerichtig-rationales Denken und emotional-assoziatives Denken sind verschiedene paar Schuhe, sind wie ABC-Nudelsalat und Lasagne.

 

Die emotional / ganzheitlich-freie Denkgrenze: Genauso wenig kannst du ganzheitlich-freie Gedanken nur mit emotional-assoziativen Gedanken bzw. Mitgefühl und Liebe... ersetzen oder nachvollziehen bzw. nicht vollständig emotional-assoziativ ausdrücken oder vermitteln. Ganzheitlich-freie Gedanken kannst du sozusagen nicht ausschließlich mit deinen emotional-assoziativen Gedanken fassen.

 

Die rationale / ganzheitlich-freie Denkgrenze: Und du kannst ganzheitlich-freie Gedanken nicht vollständig mit deinem folgerichtig-rationalen Denkvermögen ersetzen oder nachvollziehen bzw. vollständig erklären, vermitteln oder erleben. Einen ganzheitlich-freien Gedanken kannst du sozusagen nicht folgerichtig-rational denken.

Also, ebenso wenig oder ebenso viel wie du das rational-folgerichtige Denkerlebnis (z.B. beim Rechnen) mit einem emotional-assoziativen Gefühlserlebnis (z.B. beim Verliebtsein) vergleichen kannst, eben so wenig oder ebenso viel kannst du auch ein bewusstes emotional-assoziatives Gefühlserlebnis mit einem ganzheitlich-freien Denkerlebnis im Alltag vergleichen.

 

Hast du die natürlichen Grenzen deiner Denkfähigkeiten nicht kennen gelernt oder sind sie dir auf deinen Bewusstwanderungen nicht bewusst, kann es dir öfters im Alltag passieren, dass du Entscheidungen, Situationen, Probleme durch folgerichtig-rationales Denken erfassen, lösen, erleben oder verstehen willst, obwohl sie nur mit emotional-assoziativen Denken erfassbar bzw. lösbar sind oder umgekehrt. Das endet im Alltag fast immer erschöpfenden, nervenaufreibend oder schlaflos und kann dir sogar genüssliche oder intensivere emotional-assoziative Gedanken oder ganzheitlich-freie Gedanken bzw. Lebensmomente verhindern und kann auf Dauer sogar zu Verdruss, Stress und Krankheit führen.

Willst du also Musik oder ein Kunstwerk, die geistige Innenwelt eines Mitmenschen oder eine komplexe Alltagssituation vollständig mit deinem RW erfassen und verstehen, musst du zwangsläufig scheitern. Bist du dir nicht über diese natürlichen Denkgrenzen bei einer Beschreibung bzw. in Kommunikations- oder Erlebnissituation bewusst, kommt es unweigerlich zu Missverständnissen zwischen deinen (Kommunikations-)Partnern.

Du entwickelst die einzelnen Denkfähigkeiten ganz geschmeidig und lernst ihre Grenzen bei deinen kleinen klassischen Erlebniswanderungen (siehe zweites Buch) kennen und akzeptieren. Du wirst merken, wie diese Grenzen bald immer zarter werden und wie sich die einzelnen Denkfähigkeiten bestens ergänzen können. Das Geheimnis liegt in der rechtzeitigen bewussten großen MW-Umschaltarbeit. Schaltest du gar nicht und versuchst mit Gewalt, das folgerichtig-rational zu denken was logisch-folgerichtiges Denken übersteigt und eben das emotional-assoziativ zu fühlen was das emotional-assoziative Denken übersteigt, läufst du Gefahr dein Nervensystem zu überlasten oder deinen Kommunikationspartner zu verstören. Du wirst ohne deine bewusste große MW-Umschaltarbeit immer wieder an den unumstößlichen, natürlichen Denkgrenzen scheitern.

Alles will geduldig gelernt sein, auch der Respekt vor den eigenen natürlichen Denkgrenzen im eigenen Kopf und der Respekt vor den bewussten/ unbewussten Denkgrenzen deiner Mitmenschen. Gleichberechtigte Kooperation mit deinem Umgebungssystem beginnt also schon bei der bewussten Kooperation zwischen den Denkfähigkeiten im eigenen Kopf.

Auch die ganzheitlich-freie Denkfähigkeit hat ihre Grenzbereiche. Vor allem trennende (negativ) folgerichtig-rationale Gedanken und negative emotional-assoziative Gedanken, wie Angst, Schmerz, Hass können verspielte, dauerhafte, ganzheitlich-freie Gedanken unmöglich machen. Folgerichtig-rationale Vergleiche und Aussagen sind aber so nützlich wie störend für eine erste brauchbare Vorstellung des ganzheitlich-freien Denkvermögens und Erlebens. Sollten dich diese folgerichtig-rationalen Aspekte zum ganzheitlich-freien Denken verstören, brauchst du sie nicht über zu bewerten. Du bist sicherlich gespannt darauf wie sich das ganzheitlich-freie Denken »anfühlt«. Es ist verlockend aber du darfst nicht versuchen es nur fühlen zu wollen! Nur das Gleichnis zwischen folgerichtig-rational Denken und emotional-assoziativ Denken kann dir einen ersten Anhaltspunkt geben. Der dir bekannte Qualitätsunterschied zwischen bewusstem emotional-assoziativen Denken und bewusstem rational-folgerichtigen Denken entspricht prinzipiell dem Qualitätsunterschied zwischen bewusstem emotional-assoziativen Denken und dem ganzheitlich-freien Denken. Der ganzheitlich-freie Gedanke ist ebenso eine neue Qualität des aktiven, menschlichen Nervensystems und ermöglicht auch einen neuen Aspekt, eine neue Qualität der (Selbst)Wahrnehmung. Es ist was es ist und du bist gezwungen dir im Alltag diese neue Qualität des bewussten ganzheitlich-freien Denkens selbst im Eigenerleben zu erschliessen.

Er ist natürlich mit einer neuen Dimension des Lebensgenusses, des Glücklichseins, des Erfülltseins, des »im Moment richtig, stimmig und Unterwegsseins« verbunden!

Die Begrifflichkeit »Gedanken- und Gefühlsfreiheit« könnte im Vorfeld zu dem folgerichtig-rationalen Gedanken verleiten, ganzheitlich-freies Erleben ist »Nichterleben«, ist das Nichts folgerichtig-rational denken und das Nichts emotional-assoziativ denken, ist »Gefühls- und Gedankenlosigkeit«. Dieser Zustand ist jedoch lediglich ein Extrem(wert) des ganzheitlich-freien Denkens und in der Alltagspraxis nicht dauerhaft lebbar.

 

Ganzheitlich-freie Gedanken schließen keinesfalls folgerichtig-rationale Gedanken und emotional-assoziative Gedanken aus!

 

Ganzheitlich-freies Denken und Erleben ist ebenso wenig »allerleben«, ist alles folgerichtig-rationale denken und alles emotional-assoziativ denken was der unmittelbare Moment hergibt. Auch dieses Extrem ist wohl kaum in einem lebendigen und vielfältigen Umgebungssystem im Alltagsmoment erlebbar. Hier ist deutlich und bewusst zwischen subjektivem Empfinden und der Tatsache zu unterscheiden, dass ein Gehirn nicht in der Lage ist alle Umgebungsveränderungen bewusst wahrzunehmen. Im ganzheitlich-freien Denken existiert viel mehr die innerliche Gewissheit »unter Umständen alles Menschenmögliche und Nötige folgerichtig-rational denken und emotional-assoziativ denken zu können«.

Es gibt natürlich im ganzheitlich-freien Moment ein stimmiges, positives »Empfinden«, im Moment an alles gedacht und gefühlt zu haben, im Moment befriedigt und vom Leben erfüllt zu sein. Man kommt in den Genuss ein Urvertrauen in das unmittelbare Leben zu haben bzw. eine an ehrlichen Glauben erinnernde »Gewissheit« zu verspüren, eine Gewissheit mit ungeteilter, lebendiger und doch gleichmütiger Aufmerksamkeit mit dem Lebensmoment »einig und wirkungsvoll verbunden« zu sein.

Ein besonderer Aspekt des ganzheitlich-freien Denkens ist die positive »Empfindung« mit dieser neuen Fähigkeit zu sein, eine Gewissheit zu erleben, eine Freiheit bewusst und aktiv zu erleben – eine Freiheit prinzipiell alles menschenmögliche folgerichtig-rational Denken und emotional-assoziativ Denken zu können oder noch anders – eine Freiheit alle nötigen folgerichtig-rationalen und emotional-assoziativen Gedanken zulassen zu können bzw. entwickeln zu können, die nötig sind oder nötig wären, um mit der Umgebung von Moment zu Moment wirken zu können bzw. um mit der Umgebung und sich selbst ausgeglichen zu sein.

Wer das ganzheitlich-freie Denken kennengelernt hat, wird seinen weiteren Lebensweg freier wählen und auch den Einsatz seiner geistigen Werkzeuge im Moment freier bestimmen. Du wirst dich als »frei-willig« erkennen und als wirksamer Bestandteil deiner (Umgebungs)Wirklichkeit. Du wirst auch immer wieder

die unbewusste Wahrnehmungs-, Denk- bzw. Lebensweise,

die bewusste folgerichtig-rationale Wahrnehmungs-, Denk- bzw. Lebensweise und

die bewusste emotional-assoziative Wahrnehmungs-, Denk- bzw. Lebensweise

des Menschen im Alltagsmoment ausleben, nutzen und geniessen. Das folgerichtig-rationale Paradoxon ist nun, dass genau dann der Bewusstwanderer die bewusste ganzheitlich-freie Wahrnehmungs-, Denk- bzw. Lebensweise des Menschen auslebt und realisiert! Er wird für die Menschen, die noch weniger bewusst auf ihrem Weg zum ganzheitlich-freien Denken sind ein sonderbares, gutmütiges Rätsel sein, vielleicht eine Ermutigung, vielleicht auch ein Spiegel ihrer ungenutzten und auf Befreiung und Verwirklichung wartenden Bewusstseinspotentiale.