DAS BEWUSSTWANDERN-PROJEKT:    rational    emotional    ganzheitlich   

S. 107 - 110 Dein EW = Emotionalwerkzeug

Dein EW = Emotionalwerkzeug

Das Emotionalwerkzeug arbeitet auf der Grundlage der direkten, netzförmig-sphärischen bzw. parallelen Verbindungsmöglichkeit von Nervenzellen und neuronalen Wirkeinheiten untereinander.

Dieses Werkzeug ist also die stammesgeschichtlich ältere Schwester des RW’s.

In dem du mit dem Emotionalwerkzeug arbeitest, beginnst du bewusst emotional-assoziativ zu denken bzw. bewusst auf deine Lebens- und Körpergefühle und Emotionen zu achten. Es werden dabei großräumige, sphärische, netzförmige, neuronale Wirkeinheiten bzw. Nervensystemareale aktiv. Bei bewusstem EW-Einsatz können immer größere Wirkeinheiten aktiviert werden (z.B. wie beim Verlieben).

Du hast es hierbei mit einer neuen Dimension bzw. Funktionsebene aktiver zusammenwirkender Nervenzellen und neuronaler Wirkeinheiten zu tun und so kannst du auch neuartig denken. Du kannst bewusst emotional-assoziativ denken, bewusst Lebens- und Körpergefühle bzw. Emotionen entwickeln. Wie sich das erlebt kennst du sicher aus eigener Erfahrung.

 

Deine emotional-assoziativen Gedanken vermitteln dir, nun sagen wir, Verbindungswahrscheinlichkeiten.

 

Das heißt in etwa: Hohe Wahrscheinlichkeit, dass Wirkeinheiten miteinander wirkungsvoll in positiver Verbindung mit dir stehen oder zusammenwirken = starkes positives Gefühl. Geringe Wahrscheinlichkeit, dass etwas miteinander in positiver Verbindung mit dir steht oder zusammenwirkt = schwaches bzw. weniger intensives positives Gefühl. Du hast also mit dem emotional-assoziativen Denken eine Art Statistikfunktion an Bord.

Die bewusste EW-Arbeit benötigt meist etwas Zeit und einige Erfahrungen, bis du ihre Wirksamkeit erleben kannst. Du benötigst erst die einzelnen bewussten Erfahrungen, damit sich darüber ein emotional-assoziativer Gedanke entwickeln kann. Eine effektive EW-Arbeit ist meist auf eine Vielzahl von Erfahrungen und besonders am Anfang auf die folgerichtig-rationalen Sicherheiten und Verbindlichkeiten der RW-Arbeit angewiesen.

Die bewusste Rückkopplung und Aussöhnung ist bei der EW-Arbeit und bei der bewussten, eigenverantwortlichen Erzeugung von emotional-assoziativen Gedanken ein muss um wirklichkeitsnah zu bleiben! Was das bedeutet und wie du diese Rückkopplung und Aussöhnung bewerkstelligst, dass erfährst du während deiner Ausbildung mit diesen Büchern noch genauer.

Die Anwendung des Emotionalwerkzeugs wird durch das derzeitige Schul- und Gesellschaftssystem noch nicht bewusst gezielt und systematisch gefördert. Unbewusst findet eine extreme Förderung des Rationalwerkzeugs statt, das EW bleibt in den meisten Ausbildungseinrichtungen bis zur Entlassung unterentwickelt.

Aber wenn du dich an deine Fahrschule erinnerst: Hier hast du erst das Fahrzeug und seine Benutzung recht verbindlich mit deinem RW kennen gelernt und viele langsame Schritt-für-Schritt-Erfahrungen gesammelt, bis du dich nach der praktischen Prüfung und einigen Jahren Fahrpraxis auf deine EW-Arbeit verlassen konntest. So fährst du heute sicher emotional-assoziativ, gefühlvoll und flüssig und hoffentlich geschmeidig. Vielleicht hast du ja sogar bewusste emotional-assoziative Gedanken für kritische Verkehrssituationen.

Hast du dich also einmal auf dein EW bewusst eingeschossen und bist an seine Benutzung gewöhnt, kannst du mit ihm sensibler, schneller, effektiver und vorausschauender entscheiden und reagieren. Denn du kannst nun mit deinem EW relativ große Teile deiner neuronalen Kopie bzw. deines Nervensystems als Arbeits- und Entscheidungsgrundlage nutzen.

Gerade in unübersichtlichen, vielfältigen, komplizierten, starkveränderlichen Entscheidungs- und Lebenssituationen kannst du angemessen reagieren und musst nicht erst langwierige logische Gedankenpfade beschreiten, die dann doch zu keiner eindeutigen Entscheidung führen. Ein Grund weshalb ein nur folgerichtig-rational denkender Mensch im Alltag noch lange nicht erfolgreich oder zufrieden und glücklich sein muss.

Das Emotionalwerkzeug ist wie gemacht für Umweltsituationen, die deinen folgerichtig-rationalen, verbindlichen Verstand übersteigen. Das sind beispielsweise Entscheidungssituationen, in denen dein RW nicht richtig arbeiten kann, weil sie zu komplex, zu unüberschaubar, zu verworren und zu undurchsichtig sind, dir die Details durch die Lappen gehen und trotzdem schnelle Entscheidungen gefordert sind. Beim Autofahren auf der Stadtautobahn nachmittags um Fünf kommst du bei 160 Sachen allein mit deinem RW nicht weit.

Hier verlässt du dich zum Grossteil auf deine EW-Arbeit. Du fährst mit Hilfe deiner unter- oder halbbewusst entwickelten, »eingefahrenen« neuronalen Autofahr-Assoziationsfelder bzw. emotional-assoziativen Gedanken. Dein RW bastelt dir je nach Besonderheit der Verkehrssituation ab und zu einen Gedankengang durch dein Fahrgefühl. Du nimmst komplexe (Verkehrs)Situationen und ihre »Stimmungen« wahr.

Dein EW ist dort meisterlich, wo es umgangssprachlich auf das Gefühl ankommt, aufs Händchen, aufs Gespür, auf eine gewisse Erfahrungsgrundlage, wo der EW-Erfahrene kurz nachfühlt, still, schnell und flüssig entscheidet, handelt, während der folgerichtig-rational denkende Mensch noch lange nachdenken und scheitern muss.

Besonders wenn nicht nur JA oder NEIN, sondern eine ganze bunte Palette von Möglichkeiten zur Auswahl stehen, dann ist dein Emotionalwerkzeug gefragt und lässt dich mit hoher Wahrscheinlichkeit eine dir genehme Auswahl treffen. Bewusste Emotionen sind eben die Gefühlskomponente bei Entscheidungen oder Lebenssituationen oder bei der Arbeit.

Ein herkömmlicher EQ-Test sollte dich mit deinem EW arbeiten lassen und damit besonders dein emotional-assoziatives Denkvermögen testen.

 

Nun ist dir auch klar, warum du in unserem obigen Beispiel eine »Eins minus« bekommen hast. Du hattest den einen Lösungsschritt der Physikaufgabe schon »im Gefühl«, weil ihr im Unterricht schon länger solche Art von Aufgaben gerechnet habt. Dein EW hat dir also unbewusst geholfen. Du hast den Weg vereinfacht. In einer zukünftigen Bildungseinrichtung hoffentlich einen Pluspunkt wert.

Das Warum und Weshalb, die Entscheidungen, die du mit Hilfe deines EW’s fällst, sind anderen Zeitgenossen eben weniger mit Worten zu vermitteln. Sprache und folgerichtig-rationaler Verstand sind eben bei uns Menschen stark verquickt und mit einiger Sicherheit in einer Koevolution entstanden.

Worte scheinen zu konkret zu sein und du erwischst dich, wie du beim Erzählen und Rechtfertigen nicht fertig wirst. Eine emotional-assoziativ getroffene Entscheidung folgerichtig-rational zu erklären oder gar zu begründen wird immer ein zweifelhafter Versuch, mit deinem Rationalwerkzeug die vielen Erlebnisse und Erfahrungen zu schildern und miteinander in Verbindung zu bringen, auf die dein Emotionalwerkzeug bei seinem Einsatz auf einmal wirkungsvoll zurückgreift und verarbeitet und dir das Ergebnis recht sinnvoll und eindeutig als emotional-assoziativen Gedanke durch die Körpereinheit zaubert. Du müsstest mit deinem folgerichtig-rationalen Gedanken eine Statistik über all deine Erfahrungen und die Aspekte zum jeweiligen Alltagsproblem aufstellen, um dann folgerichtig-rational begründen zu können, warum du dich bei einem speziellen Alltagsproblem eher für die eine oder andere Lösung entscheidest. Dies dauert aber viel zu lange und trifft oft nicht den Punkt in der Alltagssituation.

Die Arbeit mit dem EW ist eher entspannt und du kannst längere Zeit mit ihm arbeiten, ohne müde zu werden oder Stress zu bekommen. Positive emotional betonte Arbeit hat etwas Tieferes, Körperlicheres, Ganzheitlicheres.

Leider wird die emotional-assoziative Entscheidungsfindung und Arbeitsweise in Wirtschaft, Beruf, Bildung oder in Verwaltungseinrichtungen noch unterbewertet oder gar nicht akzeptiert. Dabei kann ein gut ausgebildetes Emotionalwerkzeug eine enorme Wirkung auf die Effektivität von Arbeit oder das Privatleben haben.

Eine Gesellschaft, deren Mitglieder über gut ausgebildete folgerichtig-rationale und ebenso gut ausgebildete emotional-assoziativen Fähigkeiten verfügen, kann bewusster Zeit, Energie und Material einsparen, effektiver Arbeiten, kann flüssiger und freier Laufen, kann ganzheitlicher, menschlicher und in diesem Sinne vernünftiger, nachhaltiger und (über)lebensfähiger sein. Vielleicht hilft ja der bewusste EW- und RW-Gebrauch in Zukunft und besonders in existenziellen Grenzsituationen der Menschen und Gesellschaften bei der erfolgreicheren Problembewältigung oder bei der voraussichtigen und bewussten Vermeidung von Krisensituationen.

Die Ausbildung eines EW’s benötigt natürlich etwas Geduld und aufrichtiges Interesse für die Wirkeinheiten bzw. Systeme, mit denen du dich verbinden willst. Einmal den Gebrauch gelernt, solltest du dein RW und EW in der Praxis bewusst gemeinsam gebrauchen. Sie ergänzen sich fabelhaft. Das RW schafft erste Sicherheiten, rationale Verbindlichkeiten, handfestes Vertrauen und feste Orientierungspunkte – und einen bewussten, sicheren Rahmen für das emotional-assoziative Denken bzw. den EW-Einsatz.

Bei überwiegender EW-Anwendung werden die Arbeit, das Leben und seine Alltagsmomente emotional-assoziativ erlebt. Es kommen Lebensgefühle und Lebensstimmungen auf. Das Leben fühlt sich an.

Treffen zwei Wirkeinheiten freiwillig aufeinander, kannst du folgerichtig-rational drei Stadien des Zusammenwirkens unterscheiden. Diese drei Stadien lassen sich auch beim bewussten Eingehen und Entwickeln einer Beziehung mit einer beliebigen Wirkeinheit oder Wesenheit unterscheiden oder ebenso natürlich als bewusster Mensch, wenn du dich in ein neues Umgebungssystem einlebst, oder wenn du eine Kunst oder ein Handwerk erlernst.

 

1. Das Stadium der Verbindung – das (Ver)Suchen und Kennenlernen ist gekennzeichnet durch:

- rational-folgerichtig denkend rückkoppeln und aussöhnen

- betonter RW-Einsatz

 

2. Das Stadium der Verschmelzung – das Einl(i)eben und Üben

ist gekennzeichnet durch:

- rational-folgerichtig denkend und emotional-assoziativ denkend rückkoppeln und aussöhnen

- betonter RW- und EW-Einsatz

 

3. Das Stadium der Vereinigung – das Einssein und Können

ist gekennzeichnet durch:

- ganzheitlich-frei denkend rückkoppeln und aussöhnen

- bewusst gleichberechtigter RW-, EW- und MW-Einsatz

 

Die Wirkeinheiten, die sich auf deinem Ausbildungsweg freiwillig verschmelzen können und sollten, sind dein Nervensystem bzw. deine Körpereinheit und dein alltägliches Umgebungssystem.

Mit Hilfe des tatsächlichen und bewussten emotional-assoziativen Rückkoppelns und Aussöhnens deiner unmittelbaren rational-folgerichtigen, emotional-assoziativen und ganzheitlich-freien Gedanken kannst du als Mensch dieses 2. Stadium zusammen mit deinem alltäglichen Umgebungssystem erleben.

Das EW ermöglicht dir, bewusst eine Vielzahl wirkungsvoller Verbindungen mit einer Wirkeinheit aufzubauen und zu erhalten. Emotionen erzeugen zwar eine weniger folgerichtig-rationale bzw. gedankenkonkrete, dafür aber eine deutliche und intensive emotionale Sicherheit während eines Vereinigungsprozesses und unterstützen somit den Einsatz deines dritten Werkzeugs und damit das Stadium der Vereinigung oft wirkungsvoller, als dies die Rationalwerkzeugarbeit allein könnte. Die Emotionalwerkzeugarbeit ermöglicht ein sensibleres, direkteres, umfangreicheres, intensiveres, persönlich stärker erfüllendes Zusammenwirken zwischen Nervensystem, Körpereinheit und Wirkeinheit bzw. Umgebungssystem.

Die Zusammenarbeit erhält einen körperlichen, wirkungsvolleren Aspekt, Verbindungsänderungen mit der Wirkeinheit können unmittelbarer erlebt werden. Dadurch kann auch eine verbesserte und konkretere RW-Arbeit möglich werden, die wiederum die EW-Arbeit verbessern und unterstützen kann.

Der bewusste, kooperative und gleichberechtigte Einsatz deiner rational-folgerichtigen und emotional-assoziativen Funktionsebene deines Nervensystems lässt mit der Zeit schnelle und effektive Reaktionen auf Verbindungsänderungen zu, was wiederum das Zusammenwirken mit der jeweiligen Wirkeinheit bzw. dem Umgebungssystem verstärken und harmonisieren kann. Dies führt letztlich zur fortschreitenden Verschmelzung mit deinem Umgebungssystem im Alltagsmoment.